Wenn die geistliche Rüstung nicht passt

Wenn die geistliche Rüstung nicht passt

(oder – geistliche Gefechte Teil 2)

In einem meiner letzten Artikel (Worship – friedliche Kunst für geistliche Gefechte) spielte ich auf die geistliche Waffenrüstung aus Epheser 6 an. Dabei versuchte ich herauszustellen, dass aus meiner Sicht Demut und die Bereitschaft, von Gott zu empfangen, Schlüssel zur Verteidigung in der unsichtbaren Welt sind. Unser lieber Vater hat bereits alles vorbereitet, wir müssen die Waffenrüstung einfach nur anziehen, um erfolgreich zu sein.

Letztens war ich auf einer morgendlichen Joggingrunde tief in Gedanken und Gebete versunken. Wenn ich dazu Zeit habe und es schaffe meinen inneren Schweinehund zu überwinden, tut es meinem Körper einfach gut, ich bekomme den Kopf frei und es bietet sich eine wunderbare Gelegenheit für den Dialog mit Gott. Mich beschäftigte gerade, dass wir Christen, sogar wenn wir versucht haben, die geistliche Waffenrüstung ganz bewusst anzulegen, dennoch manchmal harte Schläge einstecken und spüren müssen. Läuft dann etwas falsch, haben wir uns in dem geirrt, was wir dachten, das Gott zu uns gesagt hatte, oder haben wir vielleicht sogar generell etwas übersehen?

Nun, normalerweise tendieren wir ja dazu, uns an dieser Stelle Paulus ins Gedächtnis zu rufen, um uns daran zu erinnern, dass Leiden um Christi Willen ja ein Privileg sein und uns stolz und froh machen sollte. Ich kann diesen Gedanken auch verstehen und im Grunde von der Logik her genau so stehen lassen. Doch manches Mal konnte ich diesen heiligen Stolz oder die Freude darüber einfach nicht denken oder fühlen. Du weißt, „ich sollte das genauso machen“ und trotzdem bist du frustriert. Dir ist klar, „der Heilige Geist ist immer in mir, Jesus tritt immer beim Vater für mich ein und Papa liebt mich unübertroffen“, und doch fühlst du dich so einsam. Kennst du das auch? Was ist in solchen Momenten eigentlich los? Wenn wir auf der Seite des Siegers kämpfen, sollten wir dann nicht auch weniger verwundbar sein? Wo ist sie, diese geniale geistliche Waffenrüstung?

Genau bei diesem Gedankengang hörte ich, wie Gott mitten hinein etwas so sagte: „deine Rüstung ist genau für dich maßgeschneidert. Wenn sie dir richtig passen soll, musst du zuerst deine Lasten bei mir ablegen, sonst wird es unter der Rüstung zu eng und du verletzt dich“. Jetzt kam mir spontan das Bild eines alten Autos in Erinnerung, das sich bei Unfällen kaum verbeulte, in dem der Fahrer aber durch die direkte Stoßübertragung viel größeren Schaden erlitt, als bei neueren Autos mit, nach Unfällen, völlig zusammengefalteten Knautschzonen. Eine solche Schutzschicht, wie wir sie bei Knautschzonen und im Idealfall auch bei der Rüstung besitzen, sollte so hart sein, dass wir einerseits keine direkten tödlichen Wunden erleiden aber andererseits auch so aufgebaut, dass wir nicht jeden Schlag auf den Körper übertragen bekommen. Diesen Gedanken hatte ich plötzlich ganz klar im Kopf. Es tut sehr weh, wenn einer mit voller Wucht gegen unsere zu enge, mit Lasten ausgestopfte Rüstung haut. Vielmehr sollen die Schläge abgedämpft werden, bevor wir sie zu spüren bekommen.

Manche von uns sind vielleicht durch Halbwahrheiten oder Überforderung derart belastet, bildlich gesprochen legen sie sich also säckeweise Lasten über die Schultern, dass die Rüstung überhaupt nicht mehr passt. Damit werden wir keinesfalls kampftauglich sein. Anderen gelingt vielleicht das Verschließen gerade noch so, das ist mir auch nicht unbekannt. Wir stellen dann im geistlichen Kampf doch fest, dass wir starke Schläge einstecken müssen. Wie oft kommen gerade vor wichtigen Diensten Provokationen, Missgeschicke, Diskussionen oder andere Probleme in Wellen über uns. Wir wissen, das soll uns nur aus dem Konzept bringen, tragen die Last der Gedanken aber trotzdem mit uns herum. Eigentlich sollte das alles einfach abprallen, wenn wir Jesus fokussieren. Könnte es vielleicht an den über unseren Schultern hängenden Lasten liegen, dass uns das immer wieder so hart trifft? Dieser unnötige Ballast macht uns sehr empfindlich, beeinträchtigt außerdem unsere Konzentration und Beweglichkeit und damit die Möglichkeit, Segnungen im Glauben zu ergreifen. Gott könnte alles auch ohne uns vollbringen, er möchte aber durch uns wirken. Diese Wahrheit ist so genial wie erschütternd.

Was können wir also dagegen machen? Auf meiner Joggingrunde habe ich versucht, alle Sorgen, Bedürfnisse, Ängste, Schmerzen, Träume usw., die mir zur Last werden können oder schon geworden sind, von mir abzuschütteln. Nein, ich muss sagen, ich habe sie abgeschüttelt! Schätzungsweise muss ich das aber regelmäßig wiederholen, da ich mir manche Lasten scheinbar aus Gewohnheit zurücknehme und erneut überwerfe. Unbelastet sind wir frei. Das macht uns zunächst nicht leistungsfähiger, wir können aber unsere ganze Aufmerksamkeit auf Jesus richten und den anbeten, der den Sieg errungen hat und auch diese Schlacht für uns schlagen möchte. Gerade im Worship ist es doch von so zentraler Bedeutung, dass wir uns nicht ablenken lassen, sondern aus tiefstem Herzen in Wahrheit und im Geist anbeten.

Vielleicht hast du ein solches Gebet noch nie gebetet. Dann kann ich dir einfach mal spontan ein Gebet aufschreiben, wie ich es möglicherweise beten würde:

Papa, danke dass du so gut zu mir bist! Du liebst mich und hast meine persönlichen Durchbrüche und Erfolge ständig vor Augen. Jeden einzelnen Tag meines Lebens hast du so viele Segnungen vorbereitet, die ich manchmal einfach nicht in Anspruch genommen habe. In deiner Gegenwart fühle ich mich wohl. Du weißt auch ganz genau, wie sehr mich …(jetzt nenne ich Dinge aus meinem Leben)… belasten und ablenken. Du liebst es, mir meine Lasten abzunehmen, weil Jesus bereits für alle meine Schuld bezahlt hat, weil ich durch seine Wunden heil sein darf. Danke Jesus, du hast mich heilig und gerecht gesprochen, ich liebe dich! Alles, was ich genannt habe, lege ich jetzt vor deinem Kreuz nieder. Ja, ich schüttle es aus mir heraus (jetzt kannst du, wenn du möchtest auch eine körperliche Geste des Herausschüttelns machen). Ich ergreife deine am Kreuz errungene Gnade erneut, durch die ich über die Angriffe des Feindes triumphieren kann. Heiliger Geist, leite du mich an, damit ich richtig reagieren kann. Öffne meine Augen und Ohren für das, was du mir zeigen willst. Du bist mir ein so liebevoller und treuer Freund, danke! Papa, du bist mein Schutz und mein Schirm. Danke dass du mich mit deiner Gegenwart umgibst und immer schon himmlische Boten und Kämpfer bereitstellst, um an meiner Seite zu kämpfen. Ich kann alles, durch den, der mich stark macht. Ich will immer in deiner Nähe sein, damit ich mich um nichts sorgen muss. Mit meinem Leben bete ich dich an. Amen

Vielleicht klingt das bei dir auch ganz anders. Das ist dann wahrscheinlich genau richtig so. Ich wollte hier auch nur einen kurzen Einblick in meine spontane Gedankenwelt anbieten.

Vor wenigen Tagen machte ich diesbezüglich eine interessante Erfahrung. Als ich angefragt wurde, bei einem Worshipabend in Gießen mitzuspielen, freute ich mich sehr. Die letzten 1,5 Jahre waren eine derartige Durststrecke, dass  sich alles in mir nach solchen Veranstaltungen ausstreckt. Dieses Mal sollte der erste Worshipabend unseres neuen Campus Gießen unserer Kirche sein. Innerhalb kurzer Zeit sollte ich dafür eine große Menge für mich auf der E-Gitarre neuer Songs heraushören, aufschreiben und üben, damit ich gut vorbereitet zu der einzigen Probe fahren konnte. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu, schließlich bin ich ja ein erfahrener Musiker. Wie es in solchen Situationen dann aber oft ist, war auch dieses Mal plötzlich zu wenig Zeit zum Üben zur Verfügung. Ich hatte gerade die Vorbereitungswoche für das neue Schuljahr und die erste Schulwoche, wo bei mir normalerweise schon alle Maschinen auf voller Kraft laufen. Zur Probe kam ich dann etwas verunsichert, hatte aber das Gefühl, dass ich spieltechnisch die Anforderungen umsetzen kann. Doch Abläufe müssen sich eben erst einmal einschleifen. Zudem wurde mit technisch professionellem Aufwand gespielt und der Monitorsound konnte nur im Eilverfahren eingestellt werden, wobei dann ungewohnte und manchmal auch unangenehme akustische Eindrücke und viele Ansagen während der Lieder über die Kopfhörer auf mich einströmten. Bitte versteh mich nicht falsch, ich bin sehr beeindruckt von professionellen Settings. Für mich war das an diesem Abend aber einfach ein Tick (oder auch zwei) zu viel. Ich durfte mit tollen Musikern spielen und irgendwie bin ich dann auch mit Ach und Krach durch den Abend gekommen. Es gab im Anschluss sogar viel Zuspruch und die Besucher konnten scheinbar gut anbeten. Gott ist einfach gut! Doch, wenn ich ganz ehrlich bin, war ich derartig im Stress, immer das richtige Motiv zur richtigen Zeit zu spielen, mich und die anderen überhaupt zu hören, mein Sheet in der zunehmenden Dunkelheit unter freiem Himmel noch zu sehen, veränderte Ansagen zu Abläufen schnell genug zu erfassen, usw., dass von meiner persönlichen Anbetung nicht sonderlich viel übrig geblieben ist. Darum sollte es mir aber eigentlich gehen und das machte mich traurig. Ich hatte mir zu viele Lasten über die Schultern gehängt und wurde unbeweglich und empfindlich. Am übernächsten Morgen sangen wir dann als Besucher im Gottesdienst manche von Songs des Worshipabends, und ich fiel dabei so tief in die Anbetung, dass ich alles um mich herum vergaß, mir die Tränen übers Gesicht liefen und ich die Gegenwart Gottes in jeder Faser meines Körpers spüren konnte. Der Unterschied war wiederum so genial wie erschreckend.

Für mich ist dabei klar geworden, dass ich in der Anbetung in meinem Herzen echt und authentisch sein will. Ich will in Wahrheit und im Geist anbeten, wenn ich meinem himmlischen Papa Loblieder singe. Er will durch uns hindurch eine Atmosphäre seiner Gegenwart für die gesamte Gemeinschaft freisetzen. Da ist dann kein Platz für Angst oder Befürchtungen. Deshalb werde ich mich in Zukunft noch besser vorbereiten oder, wenn es zum Stress ausarten könnte, auch sogar einmal absagen. Zu spielen, ohne die Salbung zu spüren und im Herzen frei zu sein, ist jedenfalls keine Lösung. Es ist ein Segen, dass es viele mündige Christen gibt, die in jeder Situation anbeten können und deshalb nicht von den Anbetern auf der Bühne abhängig sind. Und doch will ich auch gerne hier und da die Tür ein wenig weiter aufstoßen, damit Menschen Gott begegnen können. Ich weiß, dass Gott liebt, wenn wir für ihn musizieren! Manchmal ist es eben auch einfach Anbetung, sich verwundbar zu machen indem man dient obwohl man weiß, dass man einfach viel Gnade braucht. Die Beziehung zu Gott ist mir aber in jedem Fall noch viel wichtiger. Seele und Geist dürfen frei von Lasten sein. Weder das Genre, noch die Besetzung der Band, weder die Technik noch die beste Performance machen Musik zu Anbetung. Es ist unsere Herzenshaltung zu dem, den wir anbeten. Diese Haltung üben wir im stillen Kämmerlein ein, wo sie geformt und ausgebildet wird, damit sie sich dann auf eine ganze Versammlung übertragen kann. Lasten abzulegen und persönlich in die Anbetung zu gehen, indem wir uns die Eigenschaften Gottes vor Augen malen und erfassen, was er für uns getan hat, ist wie die perfekt maßgeschneiderte Rüstung anzulegen. Das will ich und daran werde ich weiter arbeiten. Es ist so genial gemeinsam mit anderen auf der Bühne zu stehen und anzubeten. Gott will Wunder wirken und thront über den Lobgesängen seiner Gemeinde. Deswegen will ich mich auf Jesus konzentrieren, anstatt auf mich und meine Leistung zu schauen. Ich will mich von negativen Erfahrungen nicht abhalten oder herunterziehen lassen. Vielmehr kann ich so dankbar sein, dass Gott mit mir daran arbeitet, dass noch viel größere Dinge geschehen können.

Gott ist gut, er liebt dich und mich, sieht in uns Söhne und Töchter. Er liebt es, uns zu segnen. Lege deine Lasten ab und fokussiere Jesus! Feinde werden davon derart in Schrecken versetzt, dass sie gelegentlich nicht mehr zum Schlag ausholen können. Die Rüstung ist für uns maßgeschneidert, ist das nicht genial?

Christian

Worship – friedliche Kunst für geistliche Gefechte

Worship – friedliche Kunst für geistliche Gefechte

In den vergangenen 9 Monaten, in denen meine Frau und ich nun schon Teil der wunderbaren Gründungsarbeit des Campus Gießen von der Move-Church sein durften, konnten wir nicht nur super freundliche Menschen kennenlernen, geistliche Reife, Professionalität und Leidenschaft erleben, ich hatte auch einen besonderen Déjà-vu-Moment. Während wir dem Wiesbadener Worship-Team auf der großen Leinwand lauschten, sagte der Worship-Leiter: „kommt, lasst uns Gott groß machen!“.  Dieser Satz hatte vor vielen Jahren in meiner Anfangszeit als Worshipleiter durchaus für Aufregung gesorgt. Stellte mich doch ein ehemaliger Ältester meiner Heimatgemeinde im Anschluss zur Rede und machte mir deutlich, dass Gott bereits groß sei. Ich könne nichts dazu beitragen, dass er größer werde. Natürlich, er wusste, dass ich diesen Satz nicht auf diese Weise hatte benutzen wollen, vielmehr störte ihn wohl, dass wir Gott auf eine moderne Art angebetet hatte, was eine kleine Debatte lostreten sollte.

Als ich also diesen Satz erneut gehört hatte, wurden Erinnerungen in mir geweckt. Ja, Gott ist groß, das war er schon immer! Komisch nur, dass wir in dieser Welt oftmals so wenig davon wahrnehmen können, oder? Sollte seine Größe nicht eigentlich alle Sorgen und Nöte, alle Katastrophen und Ängste überragen? Menschen des Gebets und der Anbetung sollten doch von einem tiefen Frieden durchdrungen sein, oder? Neulich las ich zu genau diesem Ausdruck: „Gott groß machen“ einen interessanten Vergleich. Die Autorin schrieb, man könne sich das vorstellen, wie ein Fernglas, mit dem man den Menschen Gott, der ihnen sonst so weit entfernt erscheint, viel näher zeigen kann, sodass man seine Liebe, Güte und Herrlichkeit aus scheinbar unmittelbarer Nähe wahrnimmt. Wahrscheinlich ist die Ebene, auf der wir Gott begegnen, ein viel größeres Arbeitsfeld, als uns oft bewusst ist. Zu schnell verlieren wir bei allen alltäglichen Aktivitäten und Herausforderungen den Blick auf das Wesentliche. Sollten wir nicht in der Anbetung den Charakter und die Persönlichkeit des dreieinigen Gottes derart besingen, dass echte Begegnungen mit ihm stattfinden können, und Menschen Gott ganz persönlich erleben können? Aus diesen Beziehungs-Momenten mit Gott gehen wir dann nämlich oftmals mit einem großem Frieden und Elan heraus. Gottes Gnade und seine Segnungen sind im Übermaß für uns bereitgestellt, schon seit der Auferstehung, wie greifen wir denn bloß danach?

Oft habe ich in diesem thematischen Zusammenhang martialische Ausdrücke wie „Krieger des Lichts“ oder „den Feind in die Flucht schlagen“ gehört und beobachtet, wie Menschen sich damit nicht wohl fühlten und haderten. Krieg ist so ein krasses Wort und gerade für uns Deutsche eigentlich ein lieber gemiedenes Thema! Schauen wir zu Paulus, wird aber schnell klar, dass wir tatsächlich gegen Mächte und Gewalten der unsichtbaren Welt zu kämpfen haben werden (Eph 6,12). Es scheint sich dabei jedoch um eine gänzlich andere, friedvolle Art der Kriegsführung zu handeln, wenn Paulus unseren Fokus eben nicht auf Menschen lenkt. Wie können wir uns demnach also vor diesen Angriffen aus der unsichtbaren Welt schützen und uns wehren?

Lesen wir den Text aus Epheser 6 etwas umfassender, so können wir entdecken, worum es Paulus dabei eigentlich geht. Er gibt uns eine Anleitung zur geistlichen Selbstverteidigung für Zeiten wie diese. Anstatt uns auf unser eigenes Vermögen und unsere Fähigkeiten zu verlassen, müssen wir uns in die Arme Gottes werfen. Deshalb steht dort: „denn ihr wisst: Was ein jeder Gutes tut, das wird er vom Herrn empfangen“ (V8),  seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke (V10). Es geht hier um Demut! Ich musste natürlich sofort an das Zitat denken, mit dem ich mein Buch (Ich worshippe jetzt!) beendet habe: „Demütig sein heißt, mich mit meinem ganzen Sein und Haben von Gott abhängig zu machen. Ich nehme Sein vollkommenes Versöhnungswerk am Kreuz an und lebe in der Kraft des Heiligen Geistes. Jesus ist in allem mein Vorbild, darum geht es nicht mehr um mich, sondern um Ihn, um unsere Liebesbeziehung, die Liebe zum Nächsten und Sein Reich auf Erden. Demütig sein heißt, den Mut zu haben, ein übernatürlich-natürliches Leben zu führen, ohne Menschenfurcht. Demütig sein heißt, ein Anbeter und Liebhaber Gottes zu sein.“ (Lilo Keller: Stecken und Stab, S. 29-30). Worship ist der umfassendste Ausdruck dieser Demut, wenn die Anbetung aus tiefstem Herzen mit ehrlichen Emotionen und bewusstem Willen stattfindet.

Paulus verwendet in Epheser 6 das uns so gut bekannte Bild der Waffenrüstung Gottes. Dabei fiel mir auf, dass wir sie nicht einfach automatisch tragen, weil wir jetzt zu Jesus gehören. Er schreibt den Christen in Ephesus und damit auch uns, dass wir sie anziehen und ergreifen sollen, „damit wir die listigen Angriffe des Teufels abwehren und am Bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten können“ (V 11.13). Beides beschreibt eine Aktion. Stehenbleiben und abwarten, wenn von irgendwo Gefahr droht, ist dagegen sehr gefährlich. Wir müssen uns aktiv in die schützenden Arme Gottes werfen. Lasst und das Bild der Waffenrüstung etwas genauer anschauen, damit wir erkenne können, wie die Arme Gottes für uns sind:

Mit dem Helm des Heils will Paulus zeigen, dass Gott unsere Gedanken schützt. Während der Feind in die unsichtbare Welt unserer Gedanken hinein Zweifel an Gott, Jesus und unserer Rettung säen will, hilft uns der Heilige Geist, dass wir uns an die wesentlichen Wahrheiten erinnern. Gerade in Anbetungszeiten, im stillen Gebet oder während des Bibellesens können wir dieses liebevolle Flüstern leichter hören. Er könnte z.B. sagen: Jesus Christus starb für deine Sünden und ist auferstanden von den Toten. Er sitzt jetzt zur Rechten Gottes und verfügt über alle Macht im Himmel und auf Erden. Von nun an lebst nicht mehr du, sondern Christus lebt durch den Heiligen Geist in dir und du in Christus. Du bist eine komplette Neuschöpfung, dein altes Ich existiert nicht mehr. Gott ist gut und der Feind hat keine Macht über dich! Ist dir eigentlich bewusst, dass Gott diese Wahrheiten zu dir sagt?

Der Brustpanzer der Gerechtigkeit untermauert und konkretisiert diese neue Identität ganz praktisch. Er schützt unser Herz vor den hinterlistigen Angriffen, sodass wir uns im Spiegel des Wortes Gottes als Kinder Gottes erkennen können, auch wenn wir das einmal nicht fühlen. Der Heilige Geist zeigt uns, dass wir gerecht gemacht wurden, weil Jesu Gerechtigkeit auf uns übertragen wurde. Ich darf sagen, „ich bin die Gerechtigkeit Gottes in Christus“ (2Kor 5,21), weil er meine Schuld beglichen hat, und ich nun seine Gerechtigkeit in mir trage. Diese Wahrheiten, sollten wir uns täglich zusprechen, damit sie unser Bewusstsein nicht verlassen können.

Als Gürtel der Wahrheit beschreibt Paulus, wie Gott unseren Willen beschützt. Die Weisheit der Welt ist trügerisch, weil der Feind ein Künstler der Lüge ist. Er vermischt ein wenig Lüge mit einiger Wahrheit und verdreht so den Sinn. Auf diese Weise will er uns aus dem Tritt bringen, damit wir die demütige Haltung der hingegebenen Anbetung aufgeben. Einzig das Wort Gottes birgt die echte Wahrheit in sich. Der Heilige Geist will uns diese Wahrheit lehren und uns immer wieder daran erinnern. Es ist so wichtig, dass wir immer wieder beten: Herr, öffne mir die Sinne, damit ich sehen und hören kann, was du mir jetzt sagen willst.

Mit dem Schild des Glaubens beschützt Gott uns vor feurigen Pfeilen des Zweifels und der Versuchung. Wir können alle Hoffnung auf Jesus setzen. Gott hält seine Versprechen. Er wägt nicht jedes Mal neu ab, ob er uns lieben und segnen soll. Dieser Entschluss steht schon immer fest. Glaube ist eine Gabe Gottes. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“  (Mk 9,24) lehrt uns, dass wir selbst das nicht aus eigener Kraft können. Der Heilige Geist will uns sogar trösten und für uns vor Gott einstehen, wenn wir selbst nicht mehr beten können. Uns ist das Maß Christi der Gnade gegeben (Eph 4,7), die wir im Glauben ergreifen. Der Heilige Geist will uns helfen, diese Gabe des Glaubens auch freizusetzen, damit wir fest stehen können und eine feste Zuversicht auf das Handeln Gottes haben.

Das Schwert des Geistes ist das Wort Gottes, das die Lügen des Feindes attackiert und besiegt. Das Wort Gottes, das den Himmel auf diese Welt bringt und in der unsichtbaren und sichtbaren Welt Dinge verändert, ist das Rhema-Wort. Es handelt sich um eine Offenbarung Gottes durch den Heiligen Geist z.B. während des Bibellesens, des Betens, Lobens, im Worship oder im Gespräch mit Christen. Im Idealfall sollten wir ja ständig im Dialog mit Gott sein, sodass wir ihn auch immer und überall hören können. Dieses Rhema-Wort ist eine offensive geistliche Waffe. Deshalb war Jesus immer so effektiv und erfolgreich. Er hat immer zuerst auf den Heiligen Geist gehört, die Worte in sich bewegt und erst im richtigen Moment gesprochen.

Zum Schluss listet Paulus noch die Schuhe der Bereitschaft, die gute Botschaft des Friedens Gottes weiter zu tragen auf, mit der er uns zeigt, dass wir ständig bereit, trainiert und hoffnungsvoll sein können. Wenn wir auf den Heiligen Geist hören, wird er uns die richtigen Worte in den Mund legen. Er wird uns den richtigen Weg zeigen. Wir stiften Frieden, indem wir das Evangelium der Gnade Gottes annehmen, leben und weitersagen.

Ist es nicht erstaunlich, dass alle Teile der Rüstung gleichzeitig auch Gaben Gottes sind, die wir uns nicht verdienen können. Jesus hat sie am Kreuz für uns erstritten, und der Heilige Geist hält sie für uns bereit. Gott hat bereits alle guten Taten vorbereitet. Wir können uns vertrauensvoll an ihn wenden und werden erfolgreich sein. Aus dieser Perspektive spiegelt die Waffenrüstung Gottes für mich absolut die richtige Haltung im Worship wider. Worship ist zuerst der Ausdruck einer tiefen persönlichen Beziehung zwischen mir und Gott. Es ist zugleich Schutzpanzer und Waffe gegen den Feind. So, wie Gott mir begegnet, mit allem, was er mir von sich gezeigt hat, kann ich ihn auch der Gemeinde im Worship präsentieren und ihn für sie groß werden zu lassen. Dabei erfassen wir natürlich niemals seine vollständige Größe. Das ist aber auch nicht nötig, da er uns ja liebt.  

Vergangene Woche hatten wir ein Vorspiel in Wiesbaden vor den Leitern der Worship-Arbeit, damit wir bald die Live-Worship-Arbeit in Gießen aufnehmen können. Eine Gruppe, die aus etlichen gestandenen Musikern bestand, zeigte sich dabei größtenteils eher nervös und angespannt, aufgrund  der unangenehmen Prüfungssituation. Obwohl niemand Druck gemacht hatte und alle sehr freundlich und ermutigend vorgingen, konnte auch ich dieses Gefühl nicht abstreifen. Es geht so schnell, dass der Feind Zweifel einstreuen kann, wenn wir auf unsere eigenen Fähigkeiten schauen. Plötzlich gehen dir lauter Gedanken durch den Kopf und du verlierst den Fokus auf Jesus. Auch wenn es an dieser Stelle kein Problem war und die Aufgeregtheit keine Konsequenzen hatte, konnte ich doch aus der Situation lernen. Ich will auf Jesus schauen, mich in Gottes Arme werfen, für ihn spielen und den Menschen zeigen wie er ist und was er für uns getan hat. Der Heilige Geist soll dabei mein wichtigster Partner sein. Dann wird der Feind in unserem Umfeld schweigen müssen. Ich vermute, er wird davon in die Flucht geschlagen. Erscheint dir das auch wie ein Konzept für die Gemeinde trotz nach Corona? Geistliche Gefecht werden immer in Liebe geführt. Die Liebe Gottes wird niemals vergehen, sie ist die höchste Stufe der Autorität Gottes. Gefecht zu gewinnen kann so einfach sein.

Ich wünsche dir und deiner Gemeinde einen kraftvollen Start in eine neue Saison der Anbetung.

Christian Weiß