Input des Worshipabends in der Living-Grace-Church-Gießen am 04.12.21

Input des Worshipabends in der Living-Grace-Church-Gießen am 04.12.21

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit  

Am 04.12.2021 war es endlich wieder soweit. Das Worshipnetzwerk gestaltete, nach langen Monaten der Coronapause, einen Worshipabend in der Living Grace Church Gießen. Matt mein lieber Freund und AmbassadorMM-Bruder fragte uns an, und wir konnten es kaum abwarten, endlich wieder über Gemeindegrenzen hinweg Gott anzubeten. Mit gutem Hygienekonzept konnten dann auch etliche Besucher aus diversen Gemeinden zusammenkommen. Nach einer kurzen Phase des „sich wieder daran Gewöhnens“ spürte man, wie viele Menschen durchatmeten und ihr Herz ganz weit für das Wirken Gottes öffneten. Ihm galt all unser Lob, unsere Liebe und unsere Leidenschaft! Durch etliche sehr positive Rückmeldungen und einen starken Eindruck im Gebet, wurde ich ermutigt, meinen Input dieses Abends aufzuschreiben und hier abzudrucken. Direkt vorher sangen wir eines meiner eignen Lieder, dessen Text ich in Auszügen hier kurz wiedergeben möchte:

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit 

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit

Liebst du uns

Die Zeit ist reif, zu empfangen, was du gibst

Ich knie‘ mich hin und lasse los

Ich bin bereit zu bekennen, wie du liebst

Steh‘ mit dir auf, du liebst mich grenzenlos!

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit 

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit

Liebst du uns

Du zeigst mir Farben, und ich staune immer neu.

Der Name Jesus ist unerreicht.

All deine Narben trägst du stolz, denn du bist treu.

Durch deine Gnade machst du uns dir gleich!

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit 

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit

Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit

Liebst du uns

Im Anschluss schauten wir uns den Bibeltext an, von dem das Lied inspiriert wurde:

2.Korinther 3,7-18:

7 Nun wurde Gottes Herrlichkeit ja schon bei dem Dienst sichtbar, dessen Gesetzestext in Stein gemeißelt war und der zum Tod führte. Die Israeliten konnten Mose nicht direkt anschauen, so sehr blendete sie die Herrlichkeit, die von seinem Gesicht ausstrahlte – und dabei war das doch ein Glanz, der wieder verging! 8 Muss sich dann bei dem Dienst, der vom Geist Gottes bestimmt ist, Gottes Herrlichkeit nicht in noch viel größerem Maß zeigen? 9 Wenn schon der Dienst, der zur Verurteilung führte, von Herrlichkeit erfüllt war, dann ist der Dienst, der zum Freispruch führt noch unvergleichlich viel herrlicher. 10 Ja, verglichen damit ist die Herrlichkeit jener alten Ordnung gar keine Herrlichkeit gewesen – so überwältigend ist die Herrlichkeit der neuen Ordnung. 11 Wenn Gottes Herrlichkeit schon bei der Ordnung sichtbar wurde, die zum Vergehen bestimmt war, wie viel mehr wird sie dann von der Ordnung ausstrahlen, die für immer bleibt! 12 Weil wir nun also eine so große Hoffnung haben, treten wir frei und unerschrocken auf. 13 Wir machen es nicht wie Mose, der sein Gesicht mit einem Tuch bedeckte, weil er nicht wollte, dass die Israeliten sich von dem Glanz auf seinem Gesicht fesseln ließen – einem Glanz, der doch am Ende wieder verschwand. 14 Aber sie waren verhärtet und wie mit Blindheit geschlagen. Bis zum heutigen Tag liegt, wenn aus den Schriften des alten Bundes vorgelesen wird, diese Decke über ihrem Verständnis und wird nicht weggenommen. Beseitigt wird sie nur dort, wo jemand sich Christus anschließt. 15 Jedes Mal, wenn aus dem Gesetz des Mose vorgelesen wird, liegt also eine Decke auf ihren Herzen; daran hat sich bis heute nichts geändert. 16 Doch jedes Mal, wenn jemand sich dem Herrn zuwendet, wird die Decke entfernt. 17 Dieser Herr aber ist der Geist, von dem wir gesprochen haben. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 18 Ja, wir alle sehen mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit des Herrn. Wir sehen sie wie in einem Spiegel, und indem wir das Ebenbild des Herrn anschauen, wird unser ganzes Wesen so umgestaltet, dass wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen. Diese Umgestaltung ist das Werk des Herrn; sie ist das Werk seines Geistes. (NGÜ)

IN der Schlachter2000 Übersetzung lautet der letzte Vers:

18 Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn. (2Kor 3,18 SLT)

Herrlichkeit, was ist das eigentlich?

Wenn wir uns einmal Zeit nehmen, entdecken wir vielleicht schon etwas von dieser Herrlichkeit in unserer Natur. Man sieht es z.B. in den Bergen oder  bei einem  tollen Sonnenuntergang. Solche Eindrücke kommen uns schon manchmal herrlich vor, oder? Auch wir Menschen können viel Schönheit kreieren. Für mich wären das zum Beispiel Motorräder oder Gitarren, die ich gelegentlich herrlich finde. Oder nehmen wir nur das Leuchten tausender Handylichter bei einem Konzert. Da läuft es einem schon mal kalt den Rücken hinunter. Aber – ist das die Herrlichkeit, von der im Bibeltext die Rede ist? Natürlich nicht! Sogar das übernatürliche Leuchten von Moses Angesicht war ja gegen die Herrlichkeit Gottes eigentlich keine richtige Herrlichkeit. Man muss das, was wir als herrlich empfinden allerhöchstens als ein Schatten echter Herrlichkeit einstufen. Nur Gott ist wirklich herrlich. In der Bibel ist vom Vater der Herrlichkeit (Eph 1,17), von der Herrlichkeit des Christus (2Kor 4,3) oder dem Geist der Herrlichkeit (1Petr 4,14) die Rede. Gott ist Herrlichkeit, und alles was er tut damit herrlich. 

Wie geht das jetzt also, umgestaltet werden in das Bild Jesu, der herrlich ist? 

Vielleicht kann ich versuchen, das mit einem Beispiel zu erklären. Nehmen wir einmal an, ich kaufe mir ein neues Handy. Mein altes und mein neues Handy sehen rein äußerlich sehr ähnlich aus, es gibt aber einen gravierenden Unterschied: Nur im neuen Modell ist eine SIM-Karte eingesetzt. Das alte Modell ist trotzdem sehr schick, ich könnte damit vielleicht sogar noch jemanden beeindrucken, leider hab ich damit keinen Zugang zu irgendeinem Netz, da W-LAN nicht verfügbar ist. Erst die SIM-Karte ermöglicht mir den Zugang in eine neue unsichtbare Welt. Ich bekomme in Sekundenschnelle Informationen, die mein Leben und Handeln deutlich erleichtern werden und kann außerdem weltweit kommunizieren. So ähnlich kann man sich das vorstellen, wenn ein Mensch sich dazu entscheidet, mit Jesus zu leben. Der Heilige Geist verkörpert dann Christus in uns, und wir tragen die Fülle des Reiches Gottes und das Potential Jesu in uns.

Paulus spricht in Kol 1,25-27 von einem Geheimnis, das seit Weltzeiten im Verborgenen geblieben ist, was den Reichtum von Gottes Herrlichkeit in sich trägt: „Christus in euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit!“. Christus lebt durch den Geist in uns, und damit sind auch wir in Christus (siehe Joh14,20) – zugegeben, das ist wieder etwas geheimnisvoll! Deswegen bezeichnet Paulus uns Christen in der Bibel als vollkommen neue Menschen, weil wir im Geist quasi neu erschaffen wurden. Ist uns das eigentlich klar: Wir sind mit Gott im Einklang, durch den Heiligen Geist in uns! Wie eine SIM-Karte die DNA von Netzwerken in sich trägt und somit Zugang zu ihnen hat, wurde uns sozusagen Gottes DNA eingepflanzt. Nein, eigentlich ist es noch viel mehr, Gott selbst ist in uns eingezogen! Diese Wahrheit hat so viel Power, dass ich kurz innehalten muss! Er, der Schöpfer des Himmels und der Erde, nennt uns seine Kinder.

Für Paulus ist diese Umgestaltung ein zentraler Baustein zum Verständnis der Gotteskindschaft und somit auch unserer Erlösung. In Römer 8 benutzt er gleich zwei Begriffe die in manchen deutschen Bibeln beide mit „gleichgestaltet“ übersetzt wurden. Während in Vers 3 beschrieben wurde, wie Gott selbst in Jesus, unsere Gestalt annahm, die Gestalt des Fleisches der Sünde, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit erfüllt werden könnte, wird in Vers 29 „gleichgestaltet“ auf uns bezogen, wie wir die innere Gestalt Jesu als seine Ebenbilder übernehmen. Beide Begriffe sind aber im Griechischen nicht identisch. Während Jesus körperlich umgestaltet wurde (homoioma), werden oder besser wurden wir innerlich umgestaltet (summorphos). Hier müssen wir klar zwischen der sichtbaren und der geistlichen Welt unterscheiden. 

Schauen wir uns Römer 8,29-30 nochmal etwas genauer an:

„29 Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet [gleichförmig] (summorphos) zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“                              

Jesus wurde uns körperlich gleich, damit wir ihm in der Herrlichkeit des Geistes gleich werden können! Wie wirkt sich das also auf uns aus?

Gott hat uns vorherbestimmt, wozu eigentlich? Zuerst sollen wir berufen sein, dann gerechtfertigt und verherrlicht, nämlich gleichförmig dem Bild Christi! Ist dir in diesem Vers aufgefallen, dass da steht, er „hat“ uns berufen, gerechtfertigt, verherrlicht und dem Bild Jesu gleich gemacht? Wieso schreibt Paulus das in der Vergangenheit? Ganz einfach, weil das, was Jesus am Kreuz rief, die Wahrheit ist: „es ist vollbracht“! Wenn du mit ihm lebst, hast du schon alles, was du brauchst, alle  Segnungen, sogar alle deine Werke hat er bereits autorisiert, natürlich, er wird ja sicher nicht noch einmal am Kreuz für uns sterben. Sein Werk ist erfüllt, und er hat zur Rechten des Vaters Platz genommen. 

Christus in uns, die Hoffnung auf Herrlichkeit – es ist aber dennoch ein Geheimnis! Einerseits haben wir mit dem Geist bereits die Fülle Gottes in uns, andererseits scheint das verherrlicht werden (von Herrlichkeit zu Herrlichkeit) in das Bild Christi doch ein Prozess zu sein. 

Bemühen wir dazu noch einmal unser Beispiel mit dem Handy. Sagen wir, ich hätte das aktuellste Handy und einen richtig dicken Vertrag. Die SIM-Karte ist eingelegt, es kann also los gehen. Wenn ich mein Prunkstück von einem Handy nicht hin und wieder am Stromnetz anschließe, wird es für mich nutzlos sein. Die beste SIM-Karte der Welt kann ohne Akkuleistung leider nichts bewirken. So ist es auch mit uns. Wenn wir mit Jesus leben, zieht er selbst in Person des Heiligen Geistes in uns ein. Besser geht es nicht. Und doch brauchen wir, genau wie Jesus, immer wieder die Zeiten des geistlichen Auftankens. Jesus ging in die Stille und suchte die Gemeinschaft mit dem Vater. In Anbetung und Gebet geschieht etwas mysteriöses: Gottes Geist kommuniziert mit meinem Geist! Wofür brauchen wir das?

Paulus nennt das den Kampf zwischen Geist und Fleisch, wo unsere alte Natur immer wieder Streit mit unserer neuen Natur anfangen will. Das liegt daran, dass Gedanken, die wir einmal gedacht haben, mit unserer Bekehrung nicht einfach so spontan aus unserem Gedächtnis gestrichen werden. Es dauert, bis wir alte Angewohnheiten durch Neue ersetzt haben. Unsere Seele bildet dabei die Schaltzentrale, in der alle kognitiven Prozesse, alle Entscheidungen und Emotionen ablaufen. So können wir uns bewusst auf die Seite des Heiligen Geistes in uns oder auf die körperliche, geprägte und anerzogene Seite schlagen. Mir fiel bei diesem Gedanken auf, dass Gott selbst auch diese Dreiteilung und die damit verbundenen Probleme kennt. Der Vater stellt die Seele, also die geballte Weisheit, Kreativität und Emotion dar, wo alle Prozesse geplant und entschieden werden, während Jesus seinen Vater im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert. Dadurch musste er auch die gleichen Anfechtungen,  Schmerzen und Versuchungen erleiden, wie wir. Es entschied sich im Garten Gethsemane mit letzter Kraft dafür, dass der Wille des Vaters über seinen eigenen Empfindungen steht. Der Heilige Geist ist dann quasi die exekutive Gewalt, der mit seiner dynamischen, göttlichen Kraft und Gegenwart in jedes Handeln Gottes involviert ist. 

Jesus musste diesen Kampf ausfechten – und er hat gesiegt, indem er sich auf das Wort der Liebe des Vaters verlassen hat (du bist mein geliebter Sohn) und die unsichtbare Welt als gewichtiger angesehen hat, als die sichtbare. Dieser Zuspruch, den Jesus während seiner Taufe durch Johannes vom Vater empfangen hat, als der Heilige Geist in Form einer Taube auf ihn kam, brachte ihn anschließend in der Wüste durch die schlimmsten Versuchungen aller Zeiten. Im Bewusstsein von Gottes Liebe nahm er einfach sein Wort (Worte der Bibel) als die Wahrheit in Anspruch und vertrieb den Feind. 

Auch wir haben Seele, Körper und Geist. Der Geist Gottes ist in wiedergeborenen Christen gegenwärtig. Unsere Seele, die Schaltzentrale, muss aber die bewusste Entscheidung treffen, sich der Liebe Gottes und dem Evangelium der Gnade Christi zuzuwenden. Wir brauchen diese Zeiten der inneren Einkehr, in denen wir den Geist einladen in uns zu wirken. Wir können seinen Segen im Geist ergreifen, um von Herrlichkeit zu Herrlichkeit getragen zu werden. 

Wie ergreifen wir aber seinen Segen?

Lass uns dazu nochmal zurück zu unserem Beispiel vom Handy kommen. Menschen, die keine Erfahrungen mit Handynetzen gemacht haben, können sich wahrscheinlich nur ganz schwer vorstellen, dass eine Welt von Daten, Gesprächen und Sendungen einfach so durch den Raum schwirren. Du musst glauben, dass dort ein unsichtbares Handynetz ist, das dir Zugriff auf eine unsichtbare Welt von Daten gibt und bereit sein, diese zu empfangen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du ein Samsung oder Apple Handy hast, die SIM-Karte reicht vollkommen. Der Heilige Geist wird dich dazu anleiten die wichtigen Apps zu laden, damit er dich durch den Tag navigieren kann. Auch wenn dich die Welt für verrückt erklärt, solltest du im Geist die Wahrheit ergreifen. So wird unser Körper immer mehr zu diesem Tempel des Heiligen Geistes, zu dem er eigentlich bestimmt ist. 

Lasst uns zum Schluss aber noch einmal etwas praktischer werden. Wie mache ich das konkret? Petrus sagt in 2Petr 3,18 im Blick auf das schlimme Ende der Zeit:

„Lasst stattdessen euer Leben immer mehr von der Gnade bestimmen und lernt Jesus Christus, unseren Herrn und Retter, immer besser kennen“ (NGÜ)

Wenn wir also unser  Leben von der Gnade Jesu bestimmen lassen und ihn immer besser kennenlernen, können wir den Gefahren dieser Welt gelassen entgegentreten. In der intimen Beziehung mit Jesus, dieser immer größer werdenden Vertrautheit mit ihm, werden unsere Freude, Liebe und Leidenschaft immer mehr zunehmen! 

Was können wir also tun?

Anbetung ist ein Haupt-Schlüssel zu unserer Umformung in das Bild Jesu. Wir treten bewusst in seine Gegenwart und laden den Heiligen Geist ein, in uns zu wirken. Er will diesen Prozess der Umgestaltung Schritt für Schritt gemeinsam mit uns vollziehen. Das ist immer dann der Fall, wenn wir uns an einem Tag die Zeit nehmen, unseren Akku aufzuladen. Gebet ist dabei Kommunikation in beide Richtungen. Wir reden zu Gott, aber er antwortet auch. Er liebt es, uns zu ermutigen und weiter zu helfen. Prophetie und hörendes Gebet sollten zu unseren täglichen Werkzeugen für alle Formen unseres Lebens werden. Auch geistliches Bibellesen können wir genau so praktizieren. Gott meint dich persönlich, auch wenn der Text Jahrtausende alt ist. Frag‘ einfach nach, was er dir heute zeigen möchte und unterhalte dich mit ihm darüber. Gott wird in seinem Reden den richtigen Ton für dich finden, weicht er doch niemals von seiner Natur der Liebe und Wahrheit ab. Seine Schafe hören seine Stimme. „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber aus dem Wort Gottes“  (Röm 10,17). Glaube wird durch das Hören, das in-Anspruch-nehmen und Aussprechen biblischer  Wahrheiten geweckt. Er ist eine Gabe Gottes. 

Wenn du also morgens gemütlich online gehst und dir die wichtigen Infos für den Tag lädst, wirst du gut präpariert durch den Tag kommen. Im richtigen Moment werden dir die richtigen Wahrheiten in den Sinn kommen. Das macht dich dann sensibel für Orte und Personen, an denen Gott seine Gnade und seinen Segen erweisen will. Du kannst loslaufen und Menschen mit dem Segnen, was Gott für sie vorbereitet hat. Am besten funktioniert das, wenn wir uns Christen dabei als Einheit sehen können. So wird dann aus einem kleinen Licht eine regelrechte Lichterwand, die man nicht übersehen kann. Genau wie die Band dieses Worshipabends aus Christen verschiedener Gemeinden besteht, können wir auch im großen Stil zusammenstehen. Jörg, heute am Schlagzeug, ist der Pastor, der mich getauft hat. Obwohl unsere gemeindlichen Wege sich vor einiger Zeit getrennt haben, Gott andere Pläne hatte, stehen wir heute hier zusammen und können mit seinem Licht leuchten. Außerdem können wir Christen uns gegenseitig ermutigen. Hängt einer durch, kann der andere ihn stützen und umgekehrt. Manchmal tut es schon die WhatsApp Gruppe, in der man Gebetsanliegen teilt und füreinander betet. Aber auch die Kleingruppe, die miteinander singt oder prophetisch füreinander hört, der inspirierte Besuch oder Anruf. All das macht unser Leben und das von anderen Menschen zu einem übernatürlichen Leben. 

Wenn wir uns also diese einmaligen Wahrheiten von Gott downloaden, sollten wir unbedingt darauf reagieren. Eine Information ist wertlos, wenn wir sie nicht in die Tat umsetzen oder zur Grundlage unseres Verhaltens machen! Segen ist dann in diesem Moment doch auch davon abhängig, ob wir bereit sind loszulaufen und ihn durch uns hindurchfließen zu lassen. 

Am Ende bleibt der Wille Gottes, uns von Herrlichkeit zu Herrlichkeit zu führen und möglichst viele andere Menschen mit in diesen sanften Strudel seiner Gnade zu ziehen. 

Sei gesegnet in der Liebe Christi, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit!

Christian

Wenn die geistliche Rüstung nicht passt

Wenn die geistliche Rüstung nicht passt

(oder – geistliche Gefechte Teil 2)

In einem meiner letzten Artikel (Worship – friedliche Kunst für geistliche Gefechte) spielte ich auf die geistliche Waffenrüstung aus Epheser 6 an. Dabei versuchte ich herauszustellen, dass aus meiner Sicht Demut und die Bereitschaft, von Gott zu empfangen, Schlüssel zur Verteidigung in der unsichtbaren Welt sind. Unser lieber Vater hat bereits alles vorbereitet, wir müssen die Waffenrüstung einfach nur anziehen, um erfolgreich zu sein.

Letztens war ich auf einer morgendlichen Joggingrunde tief in Gedanken und Gebete versunken. Wenn ich dazu Zeit habe und es schaffe meinen inneren Schweinehund zu überwinden, tut es meinem Körper einfach gut, ich bekomme den Kopf frei und es bietet sich eine wunderbare Gelegenheit für den Dialog mit Gott. Mich beschäftigte gerade, dass wir Christen, sogar wenn wir versucht haben, die geistliche Waffenrüstung ganz bewusst anzulegen, dennoch manchmal harte Schläge einstecken und spüren müssen. Läuft dann etwas falsch, haben wir uns in dem geirrt, was wir dachten, das Gott zu uns gesagt hatte, oder haben wir vielleicht sogar generell etwas übersehen?

Nun, normalerweise tendieren wir ja dazu, uns an dieser Stelle Paulus ins Gedächtnis zu rufen, um uns daran zu erinnern, dass Leiden um Christi Willen ja ein Privileg sein und uns stolz und froh machen sollte. Ich kann diesen Gedanken auch verstehen und im Grunde von der Logik her genau so stehen lassen. Doch manches Mal konnte ich diesen heiligen Stolz oder die Freude darüber einfach nicht denken oder fühlen. Du weißt, “ich sollte das genauso machen” und trotzdem bist du frustriert. Dir ist klar, “der Heilige Geist ist immer in mir, Jesus tritt immer beim Vater für mich ein und Papa liebt mich unübertroffen”, und doch fühlst du dich so einsam. Kennst du das auch? Was ist in solchen Momenten eigentlich los? Wenn wir auf der Seite des Siegers kämpfen, sollten wir dann nicht auch weniger verwundbar sein? Wo ist sie, diese geniale geistliche Waffenrüstung?

Genau bei diesem Gedankengang hörte ich, wie Gott mitten hinein etwas so sagte: „deine Rüstung ist genau für dich maßgeschneidert. Wenn sie dir richtig passen soll, musst du zuerst deine Lasten bei mir ablegen, sonst wird es unter der Rüstung zu eng und du verletzt dich“. Jetzt kam mir spontan das Bild eines alten Autos in Erinnerung, das sich bei Unfällen kaum verbeulte, in dem der Fahrer aber durch die direkte Stoßübertragung viel größeren Schaden erlitt, als bei neueren Autos mit, nach Unfällen, völlig zusammengefalteten Knautschzonen. Eine solche Schutzschicht, wie wir sie bei Knautschzonen und im Idealfall auch bei der Rüstung besitzen, sollte so hart sein, dass wir einerseits keine direkten tödlichen Wunden erleiden aber andererseits auch so aufgebaut, dass wir nicht jeden Schlag auf den Körper übertragen bekommen. Diesen Gedanken hatte ich plötzlich ganz klar im Kopf. Es tut sehr weh, wenn einer mit voller Wucht gegen unsere zu enge, mit Lasten ausgestopfte Rüstung haut. Vielmehr sollen die Schläge abgedämpft werden, bevor wir sie zu spüren bekommen.

Manche von uns sind vielleicht durch Halbwahrheiten oder Überforderung derart belastet, bildlich gesprochen legen sie sich also säckeweise Lasten über die Schultern, dass die Rüstung überhaupt nicht mehr passt. Damit werden wir keinesfalls kampftauglich sein. Anderen gelingt vielleicht das Verschließen gerade noch so, das ist mir auch nicht unbekannt. Wir stellen dann im geistlichen Kampf doch fest, dass wir starke Schläge einstecken müssen. Wie oft kommen gerade vor wichtigen Diensten Provokationen, Missgeschicke, Diskussionen oder andere Probleme in Wellen über uns. Wir wissen, das soll uns nur aus dem Konzept bringen, tragen die Last der Gedanken aber trotzdem mit uns herum. Eigentlich sollte das alles einfach abprallen, wenn wir Jesus fokussieren. Könnte es vielleicht an den über unseren Schultern hängenden Lasten liegen, dass uns das immer wieder so hart trifft? Dieser unnötige Ballast macht uns sehr empfindlich, beeinträchtigt außerdem unsere Konzentration und Beweglichkeit und damit die Möglichkeit, Segnungen im Glauben zu ergreifen. Gott könnte alles auch ohne uns vollbringen, er möchte aber durch uns wirken. Diese Wahrheit ist so genial wie erschütternd.

Was können wir also dagegen machen? Auf meiner Joggingrunde habe ich versucht, alle Sorgen, Bedürfnisse, Ängste, Schmerzen, Träume usw., die mir zur Last werden können oder schon geworden sind, von mir abzuschütteln. Nein, ich muss sagen, ich habe sie abgeschüttelt! Schätzungsweise muss ich das aber regelmäßig wiederholen, da ich mir manche Lasten scheinbar aus Gewohnheit zurücknehme und erneut überwerfe. Unbelastet sind wir frei. Das macht uns zunächst nicht leistungsfähiger, wir können aber unsere ganze Aufmerksamkeit auf Jesus richten und den anbeten, der den Sieg errungen hat und auch diese Schlacht für uns schlagen möchte. Gerade im Worship ist es doch von so zentraler Bedeutung, dass wir uns nicht ablenken lassen, sondern aus tiefstem Herzen in Wahrheit und im Geist anbeten.

Vielleicht hast du ein solches Gebet noch nie gebetet. Dann kann ich dir einfach mal spontan ein Gebet aufschreiben, wie ich es möglicherweise beten würde:

Papa, danke dass du so gut zu mir bist! Du liebst mich und hast meine persönlichen Durchbrüche und Erfolge ständig vor Augen. Jeden einzelnen Tag meines Lebens hast du so viele Segnungen vorbereitet, die ich manchmal einfach nicht in Anspruch genommen habe. In deiner Gegenwart fühle ich mich wohl. Du weißt auch ganz genau, wie sehr mich …(jetzt nenne ich Dinge aus meinem Leben)… belasten und ablenken. Du liebst es, mir meine Lasten abzunehmen, weil Jesus bereits für alle meine Schuld bezahlt hat, weil ich durch seine Wunden heil sein darf. Danke Jesus, du hast mich heilig und gerecht gesprochen, ich liebe dich! Alles, was ich genannt habe, lege ich jetzt vor deinem Kreuz nieder. Ja, ich schüttle es aus mir heraus (jetzt kannst du, wenn du möchtest auch eine körperliche Geste des Herausschüttelns machen). Ich ergreife deine am Kreuz errungene Gnade erneut, durch die ich über die Angriffe des Feindes triumphieren kann. Heiliger Geist, leite du mich an, damit ich richtig reagieren kann. Öffne meine Augen und Ohren für das, was du mir zeigen willst. Du bist mir ein so liebevoller und treuer Freund, danke! Papa, du bist mein Schutz und mein Schirm. Danke dass du mich mit deiner Gegenwart umgibst und immer schon himmlische Boten und Kämpfer bereitstellst, um an meiner Seite zu kämpfen. Ich kann alles, durch den, der mich stark macht. Ich will immer in deiner Nähe sein, damit ich mich um nichts sorgen muss. Mit meinem Leben bete ich dich an. Amen

Vielleicht klingt das bei dir auch ganz anders. Das ist dann wahrscheinlich genau richtig so. Ich wollte hier auch nur einen kurzen Einblick in meine spontane Gedankenwelt anbieten.

Vor wenigen Tagen machte ich diesbezüglich eine interessante Erfahrung. Als ich angefragt wurde, bei einem Worshipabend in Gießen mitzuspielen, freute ich mich sehr. Die letzten 1,5 Jahre waren eine derartige Durststrecke, dass  sich alles in mir nach solchen Veranstaltungen ausstreckt. Dieses Mal sollte der erste Worshipabend unseres neuen Campus Gießen unserer Kirche sein. Innerhalb kurzer Zeit sollte ich dafür eine große Menge für mich auf der E-Gitarre neuer Songs heraushören, aufschreiben und üben, damit ich gut vorbereitet zu der einzigen Probe fahren konnte. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu, schließlich bin ich ja ein erfahrener Musiker. Wie es in solchen Situationen dann aber oft ist, war auch dieses Mal plötzlich zu wenig Zeit zum Üben zur Verfügung. Ich hatte gerade die Vorbereitungswoche für das neue Schuljahr und die erste Schulwoche, wo bei mir normalerweise schon alle Maschinen auf voller Kraft laufen. Zur Probe kam ich dann etwas verunsichert, hatte aber das Gefühl, dass ich spieltechnisch die Anforderungen umsetzen kann. Doch Abläufe müssen sich eben erst einmal einschleifen. Zudem wurde mit technisch professionellem Aufwand gespielt und der Monitorsound konnte nur im Eilverfahren eingestellt werden, wobei dann ungewohnte und manchmal auch unangenehme akustische Eindrücke und viele Ansagen während der Lieder über die Kopfhörer auf mich einströmten. Bitte versteh mich nicht falsch, ich bin sehr beeindruckt von professionellen Settings. Für mich war das an diesem Abend aber einfach ein Tick (oder auch zwei) zu viel. Ich durfte mit tollen Musikern spielen und irgendwie bin ich dann auch mit Ach und Krach durch den Abend gekommen. Es gab im Anschluss sogar viel Zuspruch und die Besucher konnten scheinbar gut anbeten. Gott ist einfach gut! Doch, wenn ich ganz ehrlich bin, war ich derartig im Stress, immer das richtige Motiv zur richtigen Zeit zu spielen, mich und die anderen überhaupt zu hören, mein Sheet in der zunehmenden Dunkelheit unter freiem Himmel noch zu sehen, veränderte Ansagen zu Abläufen schnell genug zu erfassen, usw., dass von meiner persönlichen Anbetung nicht sonderlich viel übrig geblieben ist. Darum sollte es mir aber eigentlich gehen und das machte mich traurig. Ich hatte mir zu viele Lasten über die Schultern gehängt und wurde unbeweglich und empfindlich. Am übernächsten Morgen sangen wir dann als Besucher im Gottesdienst manche von Songs des Worshipabends, und ich fiel dabei so tief in die Anbetung, dass ich alles um mich herum vergaß, mir die Tränen übers Gesicht liefen und ich die Gegenwart Gottes in jeder Faser meines Körpers spüren konnte. Der Unterschied war wiederum so genial wie erschreckend.

Für mich ist dabei klar geworden, dass ich in der Anbetung in meinem Herzen echt und authentisch sein will. Ich will in Wahrheit und im Geist anbeten, wenn ich meinem himmlischen Papa Loblieder singe. Er will durch uns hindurch eine Atmosphäre seiner Gegenwart für die gesamte Gemeinschaft freisetzen. Da ist dann kein Platz für Angst oder Befürchtungen. Deshalb werde ich mich in Zukunft noch besser vorbereiten oder, wenn es zum Stress ausarten könnte, auch sogar einmal absagen. Zu spielen, ohne die Salbung zu spüren und im Herzen frei zu sein, ist jedenfalls keine Lösung. Es ist ein Segen, dass es viele mündige Christen gibt, die in jeder Situation anbeten können und deshalb nicht von den Anbetern auf der Bühne abhängig sind. Und doch will ich auch gerne hier und da die Tür ein wenig weiter aufstoßen, damit Menschen Gott begegnen können. Ich weiß, dass Gott liebt, wenn wir für ihn musizieren! Manchmal ist es eben auch einfach Anbetung, sich verwundbar zu machen indem man dient obwohl man weiß, dass man einfach viel Gnade braucht. Die Beziehung zu Gott ist mir aber in jedem Fall noch viel wichtiger. Seele und Geist dürfen frei von Lasten sein. Weder das Genre, noch die Besetzung der Band, weder die Technik noch die beste Performance machen Musik zu Anbetung. Es ist unsere Herzenshaltung zu dem, den wir anbeten. Diese Haltung üben wir im stillen Kämmerlein ein, wo sie geformt und ausgebildet wird, damit sie sich dann auf eine ganze Versammlung übertragen kann. Lasten abzulegen und persönlich in die Anbetung zu gehen, indem wir uns die Eigenschaften Gottes vor Augen malen und erfassen, was er für uns getan hat, ist wie die perfekt maßgeschneiderte Rüstung anzulegen. Das will ich und daran werde ich weiter arbeiten. Es ist so genial gemeinsam mit anderen auf der Bühne zu stehen und anzubeten. Gott will Wunder wirken und thront über den Lobgesängen seiner Gemeinde. Deswegen will ich mich auf Jesus konzentrieren, anstatt auf mich und meine Leistung zu schauen. Ich will mich von negativen Erfahrungen nicht abhalten oder herunterziehen lassen. Vielmehr kann ich so dankbar sein, dass Gott mit mir daran arbeitet, dass noch viel größere Dinge geschehen können.

Gott ist gut, er liebt dich und mich, sieht in uns Söhne und Töchter. Er liebt es, uns zu segnen. Lege deine Lasten ab und fokussiere Jesus! Feinde werden davon derart in Schrecken versetzt, dass sie gelegentlich nicht mehr zum Schlag ausholen können. Die Rüstung ist für uns maßgeschneidert, ist das nicht genial?

Christian