David Senz und Martin Guitars in Gießen

David Senz und Martin Guitars in Gießen

Simon Bender aus dem Worshipnetzwerk organisierte im Rahmen einer Workshopreihe des Musikhauses Schönau in Gießen einen Abend zum Thema „Akustik Gitarre“. Am Samstag, den 31.08.19, lud er dazu die Firma Martin Guitars ein, um deren Werdegang, ihre Philosophie des Instrumentenbaus und aktuelle Entwicklungen vorzustellen. Florian Jenisch, der Repräsentant des deutschen Vertriebes, reiste gemeinsam mit dem Sales Manager für Europa, Steve Harvey, und dem christlichen Fingerstyle-Gitarristen David Senz an.

In gemütlicher Runde, mitten in der Abteilung für Akustikgitarre, konnten dann einige der Schmuckstücke aus dem Hause Martin bestaunt und getestet werden (ich habe mich persönlich sehr in die OMJM, das Sinaturmodell von John Mayer, verliebt). Nach einem musikalischen Intro folgte eine intensive Talkrunde, in der besondere Momente der Entwicklungsgeschichte des Gitarrenbauers Christian Friedrich Martin Sen. aus Markneunkirchen und dessen Nachkommen beleuchtet wurden. Der gelernte Schreiner wechselte zum Instrumentenbau und war dabei sehr experimentierfreudig, wurde dafür aber von seinen Kollegen auf Distanz gehalten und wanderte in die USA aus. Dort baute er die Stahlsaitengitarre und entwickelte Modelle (0, 00, 000 Dreadnought…), die seit knapp 180 Jahren die Welt des Instrumentenbaus auf den Kopf stellten. Kein anderer Hersteller konnte seitdem die Welt der Sahlsaitengitarre stärker prägen.

Bei Snacks und Getränken konnten im Anschluss Eindrücke ausgetauscht und Fragen besprochen werden. Anschließend übernahm David Senz mit einigen Musikstücken aus seinem Fingerstyle-Repertoire (was ich persönlich leider aufgrund eines familiären Notfalls zum größten Teil verpasste). Aufgrund von besteiterten Berichten und meinen eigenen Eindrücken von seinen CDs weiß ich aber, dass er ein außerordentlich talentierter Gitarrist ist, dem es gelingt, mit Klängen Bilder zu malen und Stimmungen zu erzeugen. Im anschließenden Gespräch wurde deutlich, wie sehr David neben seiner Arbeit als Lobpreisleiter auch sein konzertantes Musizieren als Anbetung versteht. Seine Lieder „erzählen von Gottes Schönheit, Sonnenaufgängen, guten Zeiten und schaffen einen Raum zum Ausruhen“, so beschreibt er es selbst. Besonders sprechen mich bezeichnender Weise die Lieder „Beauty, Resting place, O Haupt voll Blut und Wunden und In your presence“ an. David erzählte von Konzertreisen nach Indien, bei denen er gemeinsam mit einem Pastor Gemeinden besuchte und Workshops leitete. Besonders beeindruckt war er von der lebendigen Kraft Gottes, die dort zu erleben war.

Das ist es, worum es im Wesentlichen geht! Und ich bin davon überzeugt, dass Gott im deutschsprachigen Raum ebenso wirken möchte! Lasst uns Abende wie diesen als Ermutigung auffassen, Musik zur Ehre Gottes zu spielen und Großes von unserem gnädigen Gott erwarten. Dabei dürfen wir, wie schon David, durchaus auch schön spielen und tolle Instrumente benutzen, es sollte aber niemals unser Hauptfocus werden. Ich bin sehr froh, dass der Abend aufgezeichnet wurde und hoffe, man kann in Zukunft dieses besondere Video genießen. Wir bedanken uns in aller Form bei Simon Bender und dem Musikhaus Schönau, sowie den Mitwirkenden von Martin Guitars und natürlich bei David Senz für einen wunderbaren und inspirierenden Abend.

David Senz mit seiner Martin OM
Ausschnitt Konzertgitarre

Musik wie bei David

Wie wäre es, wenn wir uns bei den Arrangements unserer Anbetungsmusik vom Heiligen Geist leiten lassen würden? Könnten wir, anstatt immer perfekter nachzuspielen, vielleicht eigene kreative Momente durch Gottes Leitung freisetzen, die besondere Begegnungen mit ihm ermöglichen?

Ich liebe Worshipmusik und habe zuhause dicke Ordner mit Noten von Anbetungsliedern stehen. Die Songs, die mir persönlich am meisten zusagen, und die ich damit auch regelmäßig hervorhole, haben meistens auch eine besondere Message, die bei mir etwas auslöst. Zunehmend ist mir aufgefallen, wie stark unsere Worshipabende doch von den großen professionellen Labels sie Hillsong oder Bethel beeinflusst sind. Und das ist natürlich auch toll. Der englische Markt ist dabei aber eigentlich unüberschaubar, wobei im Vergleich dazu die angebotenen deutschsprachigen Lieder doch von wenigen Personen ins die Systeme eingespeist werden. Der Chefredakteur von ERF-Pop, den ich durch einen Praktikusmbesuch bei einem meiner Schüler sprechen konnte, erklärte, dass viele deutsche Produktionen eben nicht die professionelle Qualität mit sich brächten, die für das Radio notwendig wäre. Vielleicht ist das eine etwas subjektive Wahrnehumung aber mir erscheint doch die derzeit auf die Bühne gebrachte Worhsipmusik häufig sehr ähnlich zu klingen. Es haben sich Balladen mit Pianobegleitung, Singer-Songwriter mit Akustikgitarre oder dann eher pompösere Bandgeflechte etabliert. Und mir gefällt das alles!

Als ich vor ein paar Wochen in einer Zeit der Anbetung Gott fragte, wie ich jetzt eigentlich in der Anbetung weiter musizieren soll (ich sehene mich immer wieder nach neuen Inspirationen), kam plötzlich eine interessante Antwort in meinem Inneren an: „Spiele so, dass es klingt, als würde David mit seiner Harfe spielen!“. Ich dachte, OK, ich bin Gitarrist – damit kann ich vielleicht etwas anfangen. Überraschenderweise sah in dieser Zeit einen Harfenisten auf einen Markt spielen und im Fernsehn einen klassischen Harfenisten mit einem Soloprogramm spielen. Beides löste bei mir echte Emotionen aus! Wäre es nicht wunderschön, wenn wir die Teilnehmer an Anbetungsveranstaltungen mit den unterschiedlichsten Arten von emotionalen Arrangements überraschen würden? Das wäre ganz im Sinne von „Psalter und Harfe wacht auf!“.

Ich habe also gestern angefangen, mit meiner Loopstation zu experimentieren. Zuerst spielte ich „Lobe den Herren“ in meiner Fassung für Sologitarre. Anschließend fügte ich etwas Klang mit einer zweiten Gitarre in DADGAD-Stimmung hinzu. Zum Schluss fügte ich kleine Melodiepassagen mit meiner Konzertgitarre ein. Keine Ahnung, ob euch das zusagt – ich folgte einfach einer Inspiration. Da ist kein hoher Anspruch für Perfektion. Hör doch gerne mal rein. Ich würde sehr gerne mit euch in einen Dialog treten. Toll wäre, wenn verschiedene Musiker ihre eignen Bearbeitungen anbieten und zur Diskussion stellen würden. Lass dich inspirieren! Gerne laden wir es hier auf der Seite hoch, um gegenseitig voneinander zu profitieren.

Lobe den Herren mit Gitarren

Die richtige Akustikgitarre

Die richtige Akustikgitarre

Am vergangenen Wochenende hatte ich endlich wieder einmal die Gelegenheit unseren Freund Ren Ferguson zu treffen. Auch wenn er wenig Aufsehen um seine Person macht, ist er doch einer der legendärsten Girarrenbauer für Akustikgitarre, die auf diesem Planeten herumlaufen. Hat er doch Jahrzehnte lang den Customshop von Gibson Guitars geleitet und sämtlichen herausragenden Modellen seinen akustischen Stempel verpasst. Er könnte eine endlose Liste der“ Who is who“ der Gitarrenszene schreiben, für die er eine Gitarre maßschneiderte, und Experten reiben sich die Hände, wenn sie eines dieser Schmuckstücke in die Finger bekommen.

Ren ist aber nicht nur ein herausragender Künstler seines Handwerks, er greift mit seinen nun 73 Jahren immer noch gerne selbst in die Saiten und ist ebenfalls ein erfahrener Worshipleiter. Als wir uns durch eine göttliche Fügung kennenlernten, die Familie der besten Freundin unserer Tochter ist rein zufällig seine direkte Verwandtschaft, merkten wir gleich, wie sehr sich unsere Interessen überschneiden. Wir tauschen uns gerne aus, stehen gegenseitig im Gebet füreinander ein und diskutieren natürlich über Akustikgitarren.

Das gab mir die Gelegenheit, auch im Interesse der Akustikgitarre spielenden Gruppe von Worshipmusikern einige Fragen zu stellen. Grundsätzlich empfiehlt Ren Ferguson jedem Gitarristen, sich eine Gitarre zu kaufen, die man in jeder Hinsicht schön findet. Natürlich liegt da sein erster Fokus auf klanglichen Eigenschaften und der guten Bespielbarkeit. Dabei würde Ren unbedingt davon absehen, sich in erster Linie auf Markennamen zu konzentrieren. Zu oft ist er mit der Kompromissbereitschaft großer Konzerne zugunsten des eigenen Gewinns konfrontiert worden. „Du kannst es hören, wenn ein Instrument dich inspiriert, und du fühlst, wenn du auf einem Instrument zuhause bist“, beschreibt er schön. „Wenn die Zeit dann gekommen ist, tauschst du das Instrument eben durch ein anderes aus, das dich mehr inspiriert. Aber auch ein schönes Design kann die Lust zum Üben entscheidend beflügeln“, beschreibt er, während ich ein Funkeln in seinen Augen sehen kann.

Seit zwei Jahren planen wir, dass Ren mir mein Trauminstrument baut, und es sieht so aus, als würde es sehr bald fertig werden. Einerseits ehrt mich das sehr, andererseits konnte ich auch beobachten, worauf ein Meister des Gitarrenbaus alles achtet, wenn er ein Instrument plant. Zunächst hat er mir beim Spielen zugeschaut und wir haben dann auch meine derzeitige Gitarre, eine Launhardt El Paso aus Cocobolo mit Sitkafichtendecke, sowie meine alte Lakewood D14 mit Zederndecke, hin- und hergereicht, gespielt und gesungen. Dabei hat er mir zudem unschlagbare Tips zur Besaitung und Einstellung gegeben, die meine Instrumente extrem aufgewertet haben. Zuerst haben wir dann die passende Bauform herausgefunden, bei mir eine 000 mit Halsansatz am 12. Bund. Das ist eine mittelgroße Korpusform, die durch den Halsansatz am 12. Bund den Steg direkt am „Sweetspot“ der Decke sitzen hat und dadurch sehr transparent und voll und klingt, ohne wummernde Bässe zu produzieren. Für mich passte das, weil ich leidenschaftlich gerne Fingerstylegitarre aber im Worship natürlich auch Strumming spiele. Dann kamen wir zu den Hölzern, die nicht nur von der Baumart, sondern auch wegen der Schwingungseigenschaften durch die Maserung und den individuellen Klangeigenschaften Welten auseinander liegen können. Bei mir wird es definitiv eine umwerfende Scheibe Wallnussholz und vermutlich eine Adirondack Fichtendecke aus meinem Geburtsjahr werden. Ich vertraue da natürlich auf die Hände des Meisters, durfte aber sogar bestimmte Holzscheiben auswählen. Wir diskutierten alles von der Halsbreite bis hin zu den Mechaniken und dem Material der Stegpins. Außerdem durfte ich Wünsche für die Verzierung äußern – und dabei reden wir von echter Kunst. Am Ende will Ren mir aber doch drei Instrumente bauen, von denen ich mir eines zum Kauf aussuchen darf.

Du siehst vielleicht schon an diesen kurzen Auszügen, wie komplex es sein kann, die richtige Gitarre zu planen oder finden. Es lohnt sich, nicht die erstbeste Gitarre zu nehmen, eingehende Beratung einzuholen und sich mit anderen Musikern auszutauschen. Nur weil ein Intrument für eine Person, die ich bewundere passt, muss ich sie aber nicht auch mögen. Deshalb hier noch ein paar konkrete Tips zur Auswahl:

Probiere verschiedene Bauformen in ähnlicher Qualität aus: Dreadnought, Grand Concert, Auditorium, Jumbo, 0, 00, 000 usw.

Lege dein Budget fest – beachte: Qualität hat ihren Preis und lieber eine gute Gitarre als drei unbefriedigende Modelle.

Wähle ein Instrument aus massiven Tonhölzern (besonders die Decke), weil Sperrholz einfach nicht schwingen will.

Kaufe niemals, ohne das Instrument vorher selbst zu spielen – baugleiche Gitarren können durchaus verschieden klingen, und nicht jeder Hals fühlt sich gleich gut an.

Schaue dir Instrumente von heimischen Herstellern im Vergleich zu den großen Marken oder auch preiswerteren Alternativen an. (Andreas Cuntz, Joe Striebel, Markus Quenzel, Lakewood Guitars oder Christian Stoll sind Beispiele für gute deutsche Hersteller)

Wenn du mit einer Band spielst, spare nicht am Tonabnehmer. (L.R. Baggs, Schatten Design, K&K oder Fishman wären Beistpiele für gute Hersteller)

Lass dir von einem geübten Spieler vorspielen.

Natürlich haben wir das Thema jetzt nur angerissen. Gerne bin ich für Rückfragen oder Anregungen offen. David ließ einst spezielle Instrumente für die Priester herstellen. Wir wissen, dass er bis tief in die unsichtbare Welt hinein spielen konnte. Unterschätze nicht den Klang eines Instruments in der Anbetung. Ich wünsche dir Glücksgefühle und neue geistlich-akustische Inspirationen mit deiner Akustikgitarre!

Hier findest du ein kurzes Video zur Veranschaulichung unterschiedlicher Bauformen anhand von 3 Modellen der Firma Martin Guitars: