Brückenläufer sein

Brückenläufer sein

Wie eine Einheit von Christen unser Land verwandeln könnte

„Jede Krise birgt auch eine Chance“ sagte einmal unser deutscher Bundespräsident Richard von Weitzsäcker, indem er sich auf das chinesische Schriftzeichen „Wei Ji“ bezog, was gleichzeitig „Gefahr“ und „Chance“ bedeutet. Letzte Woche schrieb ich gerade eine Email an die Mitarbeiter unseres Worshipnetzwerks, die nachdenklich, selbstkritisch aber auch sehnsüchtig und hoffnungsvoll war. Das nun schon einjährige Verbot und damit der Stillstand gemeinschaftlich gesungener Anbetungslieder in Kirchen reißt ein riesiges Loch in ein Herzstück der christlichen Glaubenspraxis. Zwar kann uns keiner verbieten, mit unserem Gott in Kommunikation zu treten, wir beten und meditieren, lesen Bibeltexte und hören Predigten an; doch bleibt der Lobgesang immer noch eine der emotionalsten Ausdrucksformen unserer Liebe gegenüber dem dreieinigen Gott. Wir vermissen dieses „Eins-werden“ im gesungenen Gebet, wenn man spüren kann, wie sich die Herrlichkeit Gottes auf eine Versammlung legt, Menschen innerlich und äußerlich frei werden und neue Ausrichtung erfahren. In Worshipzeiten dürfen wir den Frieden Gottes am eigenen Leib erfahren und neue Hoffnung schöpfen. Von Hoffnung können wir immer dann sprechen, wenn wir unsere Zukunft mit dem Wirken Gottes im Einklang sehen. Dem gegenüber steht die Angst, die immer Ausdruck eines Blicks in eine mögliche Zukunft ohne das Wirken Gottes ist. Wie sieht denn jetzt eigentlich die Gemeinde aus, die eine hoffnungsvolle Zukunft hat?

Ich bin mir sicher, wir werden wieder singen und Gott gemeinsam loben! Vielleicht viel intensiver als je zuvor! Als ich mir mit meiner Frau Tine im Januar einen Tag Zeit nahm, um gemeinsam Gott zu fragen, welche Vision er uns für das Jahr 2021 gibt, machten wir eine Tageswanderung durch unsere schöne Umgebung. In einem Wald sah ich eine große Hängebrücke, die Teil eines Hochseilgartens war. Ich hielt kurz inne und hörte Gott sagen: „ihr habt einige solcher Brücken und Wege rund um euer Basecamp angelegt, das ist gut. Jetzt sollt ihr sie freigeben, damit alle darüber laufen können. Ihr sollt auch ab jetzt auf den Brücken der anderen laufen“. Im weiteren Verlauf des Weges zeigte Gott uns, dass unser Basecamp, wir nennen unser Zuhause gerne die „Feuerwache“, dieser verspielte Ort der Freude, Gemeinschaft, der Anbetung und der Fürbitte ist. Es sah ganz so aus wie ein Waldkindergarten, ein Ort der Sicherheit mitten im Wald. Die kleinste geistliche Einheit ist eben die Familie. Danach kommt die Kleingruppe und die Gemeinde usw. Viele Menschen haben sich, genau wie wir, solche Basecamps angelegt. Es gibt Orte, an denen sich unser geistliches Leben zu großen Teilen abspielt. Gemeinden haben ihre eigene Kultur des christlichen Glaubens etabliert und vertreten ihre eigenen Überzeugungen. Das hat zur Folge, dass Gott sich auch in den verschiedenen Basecamps unterschiedlich zeigt, die Menschen also auch verschiedene Offenbarungen von ihm bekommen. Häufig endet das darin, dass eine Gruppe auf die Fehler der anderen deutet.

Irgendwie hat mich dieses Bild an eine Verfilmung von Robin Hood erinnert. Der starke ritterliche Arm des Gesetzes hatte das Gefolge Robins in den Wald getrieben. Dort suchten sie Zuflucht in Baumhäusern. Das Besondere an diesen Wohnungen im Wald war aber, dass sie durch unzählige Brücken und Baumkronenpfade verbunden waren und so die Gemeinschaft als echte Einheit stark machte. Wenn diese Leute sich jetzt hingestellt hätten, um sich gegenseitig zu beweisen, wieviel besser, schöner, gemütlicher, freundlicher, intelligenter und stabiler ihre eigene Behausung doch war, wäre ihre Situation aussichtslos gewesen. Viel genialer wäre doch, wenn man sich die guten Ideen gegenseitig zeigt und so voneinander profitiert und das gesamte Lager zu einer echten Festung ausbaut. Genau dieses Prinzip könnte auch den Kirchen in Deutschland und weltweit sehr hilfreich sein. Schließlich geht es nicht um die Baumhäuser, Kirchen, Kulturen oder Überzeugungen. Es geht um Jesus und unsere persönliche Beziehung zum dreieinigen Gott.

Wir als Worshipmusiker können uns dieses Prinzip vielleicht besonders gut anhand einer Band erklären. Nehmen wir z.B. mich, ich bin ein Gitarrist, der durch die klassische Ausbildung an der Uni gegangen ist, eine große Vorliebe für Fingerstyle-Gitarre hat und in jeder Form den vollen, orchestralen Klang von Akustikgitarren liebt. Sicher spiele ich in der Band auch Strumming-Passagen, es frustriert mich aber schon etwas, wenn ich das Gefühl habe, dass von meinem Sound in der Band lediglich ein Zischen übrigbleibt, aus dem man nicht einmal genau heraushören kann, welchen Akkord ich gegriffen habe. Ähnlich würde es Dede gehen, der ein begnadeter Bassist ist, jedes nur denkbare Solo spielen kann, wenn er dazu verdonnert würde, ausschließlich auf den Schlägen der Bassdrum zu spielen. Im besten Fall würde niemand bemerken, dass er mitspielt. Oder nehmen wir Thomas, der diese wunderbaren highspeed Soli auf der E-Gitarre spielen kann. Wenn er nur Ambient-Sounds spielen sollte, wie zufrieden wäre er am Ende des Abends. Auch Andi oder Markus, die einen ganzen Abend alleine mit ihren Keys abdecken könnten, wie gerne würden sie sich auf Pad-Sounds reduzieren lassen. Und sowieso, Drummer sind immer zu laut, und generell geht es eh nur um die Sänger. Reicht es nicht, wenn wir einfach ein Youtube-Video anmachen? Nein, nein und nochmals nein! Das sind natürlich alles nur Beispiele. Weder ist es hilfreich, wenn jeder immer nur sein eigenes Ding macht und die anderen ignoriert, noch hilft es, wenn sich jeder auf ein Minimum reduziert um den anderen in falscher Bescheidenheit zu dienen. Wir sollten unsere Stärken gegenseitig kennen und aufeinander abstimmen. Dabei kann man noch einiges voneinander lernen. Schließlich geht es darum, gemeinsam Jesus zu begegnen. Jeder kommt dabei völlig zum Zug. Keiner muss unbedingt so wie Hillsong, Bethel oder Elevation klingen.

Das gilt auch auf der geistlichen Ebene. Schaffen wir es mit unseren verschiedenen Graden/Ausprägungen/Schattierungen der Offenbarung Gottes, nebeneinander zu stehen, ohne uns gegenseitig zu verurteilen? Können wir vielleicht sogar voneinander profitieren und lernen? Immerhin haben wir die Bibel als Maßstab. Der Heilige Geist will uns anleiten und in jede Situation hineinreden. Außerdem kennen wir die Perspektive des Neuen Bundes. Das könnte an sich ausreichen, um nicht Gefahr zu laufen, vom richtigen Weg abzukommen. Wenn wir in diesem Sinne anfangen, Brückenläufer zu werden, wird unser Land eine krasse Wende machen! In einem Fantasy-Hörbuch, auf das Gott mich aufmerksam machte, kommen sogenannte „Wandler“ vor. Sie haben die übernatürliche Fähigkeit Licht in Materie umzuwandeln. Dabei kann jeder nur jenes Licht wandeln, was er auch an Farben differenziert wahrnehmen kann. So gibt es für die Spektralfarben jeweils verschiedene Wandler. Als Bichromat werden jene bezeichnet, die zwei Farben wandeln können, als Polychromat, die mit mehreren Farben. Das bringt es für mich auf den Punkt. Gottes Licht ist weiß! Es trägt alle Farben in sich, obwohl wir Christen oftmals nur einen Blick für eine oder zwei bestimmte Farben haben. Ich habe es selbst erlebt, wenn man gerade eine neue Ebene der Offenbarung Gottes für sich entdeckt, welche Abwehrhaltung das im eigenen Umfeld erzeugen kann. Keiner meint es böse, und doch erzeugt es Angst, Gott auf eine Art gezeigt zu bekommen, die einem fremd ist. Doch Gott ist noch viel mehr als wir uns vorstellen können. Er sprengt alle unsere Vorstellungskraft.

Ich kann ein Land sehen, in dem Christen aller Couleur nebeneinander stehen und Gott anbeten. Ich sehe ein Worshipnetzwerk, das unterschiedlichste Veranstaltungen durchführt mit verschiedenen Leitern, Musikern, Betern, Tänzern, Künstlern und an den unterschiedlichsten Orten. Ich sehe, wie Menschen ihr Leben in die Hände Jesu legen, weil sie spüren, dass diejenigen, die mit ihm leben, von Liebe angetrieben sind. Jede Begegnung mit ihm sollte eine heilvolle Begegnung sein. Wenn Menschen uns begegnen, sollten sie Jesus durch uns begegnen. Oh ja, ich habe wirklich Hoffnung für unsere Region, unser Land und unsere Welt. Hoffnung ist eine Zukunft, in der Sein Reich in unserer Mitte sichtbar wird und Sein Wille geschieht. Kommst du mit auf die Brücken der christlichen Baumkronenpfade? Hilfst du mit, Stück für Stück, die eigenen Wege für andere zu öffnen, ohne dass wir uns gegenseitig Druck machen müssen? Das wäre wunderbar. Es klingt doch gar nicht so schlecht, Brückenläufer zu sein, oder? Christus ist Auferstanden! Gesegnete Ostern 2021!

Christian

CHALIL – Worship in der jüdischen Musik

CHALIL – Worship in der jüdischen Musik

Der Profi-Oboist Peter Müntel auf biblischer Spurensuche nach seinen instrumentalen Wurzeln

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich denn als klassischer Oboist zu israelischer Musik gekommen bin. Jetzt, nachdem ich über 40 Jahre im Berufsorchester gespielt habe und den Ruhestand genießen darf, kann ich ja mal ein paar Zeilen dazu schreiben.

Als Berufsmusiker, der schon mit 10 Jahren mit der Oboe begonnen hat, haut einem ja so leicht nichts mehr um. So viele Töne habe ich im Laufe meines fast 50 jährigen Musikerlebens schon gespielt. Aber immer wieder gibt es Momente die einem besonders bewegen:

Eines meiner eindrucksvollsten Klassik-Konzerte durfte ich nach dem Jahr 2000 in Israel erleben. Mit einem Barockensemble samt Kirchenchor aus dem Stuttgarter Gospelforum wurden wir für drei Konzerte von der Christlichen Botschaft in Jerusalem nach Israel eingeladen. Auf dem Programm stand Händels Messias. Es gehört schon zu den besonderen Erlebnissen eines Musikerlebens, dieses Werk in Israel spielen zu dürfen. Bei Händels weltberühmten „Halleluja“ stand im YMCA Theater Jerusalem plötzlich das gesamte Publikum auf und hob die Hände, Anbetung pur! Später gab es dann noch die  Arie: „Ich weiß dass mein Erlöser lebt“ (siehe Hiob 19,25) zu hören, das war unvergesslich. Als Zugabe spielten wir immer die Nationalhymne des Staates Israel, die Hatikva (Hoffnung), auch hier stand das komplette Publikum im Saal auf.

Gut kann ich mich auch noch an eine Begegnung in der Krypta, dem ältesten Teil des Bremer Domes, erinnern. Nach einem Klezmer-Konzert kam dort ein älterer Mann aus Israel sehr bewegt auf mich zu. Er nahm mich weinend in den Arm und berichtete mir, er sei zu dieser Zeit das erste Mal seit dem Holocaust wieder in Deutschland gewesen. Er war so dankbar, im heutigen Deutschland wieder auf jüdische Musik zu treffen. Das sind Momente, die bei mir ein Gänsehautgefühl erzeugen.

Vor ca. 30 Jahren wurden meine Frau und ich aktive Christen und begannen recht schnell unsere Gaben in verschiedenen Formationen der Lobpreisarbeit einzubringen.

Spannend war das Zusammentreffen von Popmusikern und einem „Klassiker“ wie mir. Zunächst war ich völlig überfordert, nach Leadsheets zu spielen, schließlich gab es da für mich nur einige harmonische Spielanweisungen. Ohne Noten war ich echt aufgeschmissen. Doch, es war sehr spannend, wie sich das Zusammenspiel dann weiterentwickelte.

Unser Freund, der E-Bassist Sigi Bohnert, wollte erfahren, wie man J. S. Bach mit seinem Instrument spielen kann, und mich interessierte die Improvisation. So haben wir uns im Keller seines Hauses getroffen und am Ende der Session die Ergebnisse aufgenommen. Sigi hatte Kontakt zu Andy Claus von „cap.music“ in Altensteig. Unsere Ergebnisse waren wohl recht gut. Andy rief einige Tage später an und fragte, wann wir zur Studio-Aufnahme kommen könnten. 

Und so haben wir unsere ersten CD´s aufgenommen, damals noch unter dem Namen INSPIRIT. Neben Lobpreistiteln gab es auch damals schon den einen oder anderen israelischen Titel. Zu dieser Zeit wurde ich neugierig, warum israelische Musik gerade mit der Oboe so gut klang. In den 90iger Jahren kam dann noch der Kontakt zum Dresdner Musikerkreis hinzu, einer super Truppe aus klassischen Musikern und Sängern der damals neuen Bundesländer, die sich über Jahre zur Musikerrüste in den christlichen Gästehäusern in der Rhön trafen. Dort bekamen meine Frau und ich viel Input zum Thema Israel.

Auf der Suche nach meinen instrumentalen Wurzeln wurde ich dann im Alten Testament fündig. Dort wird im Urtext immer wieder von einem Blasinstrument mit dem Namen CHALIL gesprochen. Martin Luther hatte dieses Instrument mit „Flöte“ übersetzt.

Zur Zeit der Bibel, dem antiken Israel, war die CHALIL eines der populärsten Instrumente im weltlichen wie auch im religiösen Leben. Die CHALIL wurde als ein anregendes Instrument angesehen und zum Ausdruck besonderer Freude und Fröhlichkeit gespielt, so zum Beispiel bei Hochzeiten oder öffentlichen Prozessionen der Pilger. Gleichzeitig wurde der Klang der CHALIL für den Ausdruck starker Trauer und Leidens genutzt und war etwa bei Beerdigungen zu hören.

In der Bibel finden wir genauere Angaben zur CHALIL z.B. in 1Sam 10,5 „einer Schar von Propheten begegnen, … und vor ihnen her Harfe und Tamburin und Flöte (Chalil) und Zither, und sie werden weissagen“ (ELB), 1Kö 1,40 „und das Volk blies mit Flöten (Schalmeien) und war sehr fröhlich, sodass die Erde von ihrem Geschrei erbebte“ (LUT) oder Jer 48,36 „klagt mein Herz über Moab wie Flötenklage (Schalmeien-Klage) (LUT)

Die Bauweise der CHALIL war ähnlich der griechischen AULOS oder der arabischen MUZMAR. Der Ton war scharf und penetrant. Man erzählte in überspitzem Sinne, wann immer die CHALIL im Tempel zu Jerusalem geblasen wurde, sei ihr Klang bis Jericho zu hören gewesen.

Somit lag es nahe, mich mit der Klezmer Musik auseinanderzusetzen. Klezmer gilt als die Festmusik der osteuropäischen Juden. Da aber jüdische Feste fast immer auch biblische Feste sind kommt man unweigerlich den alten Schriften, Liedern und Psalmen zur Zeit David näher. Mit dem aramäischen Wort „kley zemer“ verbindet sich die Vorstellung, der „Klezmer“ sei kein eigentlicher Musiker, sondern ein Werkzeug, durch das sich Gott direkt mitteilen kann.

Der ganze Mensch singt zur Ehre Gottes, etwa mit der Stimme aber auch mit seinem Instrument, das damit ein Musizierwerkzeug des Heiligen Geistes ist. Schauen wir in den Psalm 150, hier wird das ganz deutlich. Dieser Psalm beginnt mit „Halleluja“, das bedeutet wie wir alle wissen, Gott loben, ja sogar verschwenderisch das Lob Gottes ausschütten. „Lobet den HERRN in seinem Heiligtum, für seine Taten, in seiner großen Herrlichkeit“. Aber womit? Mit einer Vielzahl von Instrumenten wie Pauken, Posaunen, Saiten und Chalil/Pfeifen, und natürlich Gesang: „Alles was Odem hat, lobet den Herrn“.

 König David organisierte zu seiner Zeit die Instrumentalbegleitung in der Stiftshütte und teilte dafür tausende Musiker ein. Diese Einrichtung bestand im Tempel, den sein Sohn Salomo erbaute, weiter, wie wir z.B. in 1Chron 23,5 lesen:  „4000 Sänger des HERRN mit Saitenspielen, die ich zum Lobgesang habe machen lassen.“ (LUT)

Jüdische Melodien und der „sprechende Instrumentalstil der jiddischen Klezmer von heute ist geprägt von jauchzenden und seufzenden Tönen, voller Sehnsucht, Trauer aber auch mit Humor und unbändiger Lebensfreude.  Ich finde, die modere Oboe ist, gerade aus der Sicht der 3000 – 4000-jährigen Geschichte, besonders zur Interpretation israelischer Musik geeignet. Im Gegensatz zur ca. 300 Jahre jungen Klarinette, dem vielleicht populärsten Holzblasinstrument in der Klezmerszene, gibt es nur wenige Oboeninterpreten die sich das Erbe der CHALIL zu Nutze machen. Mir macht es einfach Freude, die Klangfarben und Modulationsmöglichkeiten einer Oboe für israelischer Musik einzusetzen.

In den folgenden Youtube-Clips kann man in die Aufnahmen der Titel „Mazeltov“ und „Gnädig und barmherzig ist der Herr“ von Chalil reinhören:

 

Themen wie die Sehnsucht nach Jerusalem, Psalme und Gebete mit und ohne Worte (Nigunim) oder aber fröhliche Tänze vor der Klagemauer werden plötzlich lebendig und erfahrbar. Das kann unserer heutigen Anbetungspraxis sehr nützlich sein, wenn wir sie um diese Erfahrungen erweitern. Vielleicht erinnern die Klänge an die Zeiten Salomos  vor 3000 Jahren.

Es gibt noch so viel zu berichten, aber am schönsten ist es, die Musik live zu hören und einfach mit einzutauchen. Ich schreibe diese Zeilen im April 2020, zur Zeit der weltweiten Corona-Krise, in der es in Europa keine Gottesdienste oder Kirchenkonzerte geben darf. Darum freue ich mich besonders, auf diese Weise mit euch in Kontakt zu treten. Hoffentlich können wir demnächst wieder gemeinsam anbeten. Ich plane z. B. zusammen mit Christian und einer Band aus dem Worshipnetzwerk auf einem der nächsten Grace-Festivals zu spielen. Die Gnade Gottes sei mit uns allen!

Am 31.01.2021 war ich zu Gast auf BibelTV in der Sendung „Stunde des Höchsten“ mit dem Fernsehpfarrer Heiko Bräuning. Hier könnt ihr ein spannendes Interview verfolgen, warum ich als Christ jüdische Musik spiele:

SHALOM und Gottes reichen Segen für euch

 Peter Müntel

Die Klangkultur des Himmels

Die Klangkultur des Himmels

Wie klingt Anbetung im Himmel – oder gibt es einen Klang, der Gott besonders wohlgefällig ist? Gedanken für Menschen, die es lieben, ihren Blick zu weiten und über den eigenen Horizont hinaus zu schauen.

Für sich betrachtet könnte die Überschrift dieses Artikels durchaus fragwürdig klingen. Ist der Himmel jetzt das Weltall, die Atmosphäre der Erde oder ein rein geistlicher Ort? Da im Weltall ja ein Vakuum vorherrscht, dürfte die Frage nach Klang oder Schallausbreitung recht schnell beantwortet sein (was im Übrigen ja auch für einen möglichen Urknall gelten müsste). Selbst, wenn alle Fragen zu den akustischen Gegebenheiten geklärt wären, bliebe die Wahrnehmung von Klang bei Menschen doch sehr individuell und, abhängig von den eigenen Erlebnissen, auch subjektiv. Sollte man da wirklich von einem Klang reden, wie er von Gott aus gedacht war? Schaut man andererseits aber in der Bibel nach, sind verschiedene Belege zu finden, in denen Engel, die Wesen des Himmels, sowohl vor Gottes Thron, als auch auf der Erde ihre Anbetung durch Musik ausdrücken. Von Mose über David wurden stets Menschen von Gott inspiriert, Instrumente zu erschaffen, mit denen er gepriesen werden sollte. Es besteht also kein Zweifel daran, dass Musik ein grandioses Meisterwerk der göttlichen Schöpfung ist.

Grundsätzlich können wir den Klang auf verschiedenen Ebenen untersuchen. Von außen betrachtet geht es erst einmal um die Physik des Klangs hier auf unserer Erde. Dafür wurde sie ja allem Anschein nach erschaffen, wie auch immer die physischen Gegebenheiten im göttlichen Himmel sein mögen. Da Musik aber eine Kunst ist, die scheinbar direkten Zugriff auf unsere Emotionen hat, darf dieser Bereich bei der Analyse von Auswirkungen des Schalls nicht fehlen. Gerade im Worship kann man erleben, wie sehr durch Musik Emotionen im Körper ausgelöst werden und gleichzeitig auch geistliche Prozesse in Gang kommen. Wie bei David im Alten Testament scheint Musik bis in die Tiefen der unsichtbaren Welt vorzudringen und sogar böse Mächte zu vertreiben. Sogar Musiktherapie verzeichnet Erfolge, obwohl sie ohne einen gezielten Blick auf die geistliche Ebene praktiziert wird. Die göttlichen Prinzipien funktionieren scheinbar auch, wenn Menschen an der Existenz des Schöpfers zweifeln.

Alles beginnt also mit einer Schwingung. Sehen wir einmal von der elektronischen Klangerzeugung ab, wird sie durch eine manuelle Bewegung erzeugt, die in direkter Abhängigkeit zu den Naturgesetzen aus Gottes Schöpfung steht. Sicher passen da auch elektronische Klänge irgendwie mit hinein, wovon ich aber an dieser Stelle zunächst einmal absehen möchte. Ob nun eine Luftsäule, eine Lippe, Saite, ein Fell oder sogar ein ganzes Instrument in Schwingung gerät, es entsteht eine Kettenreaktion mit den Luftmolekülen. Kraftwirkungen und Widerstände folgen dabei strikt den von Gott festgelegten Gesetzmäßigkeiten. Da Gott, als er die Erde erschaffen hatte, alles mit „sehr gut“ bewertete, muss ich davon ausgehen, dass die Akustik ebenfalls auch heute noch dieser brillanten Schöpfung zu verdanken ist und ihren Anweisungen folgt.

Schwingungen wirken sich auf Substanzen und Materialien aller Aggregatzustände aus, ja, sie interagieren mit ihnen. Das kann man sehr schön anhand des Zusammenspiels verschiedener schwingender Elemente am Instrument beobachten. Bringt man z.B. eine Gitarrensaite zum Schwingen, wird diese Frequenz (Schwingung pro Sekunde) auf den Steg, den Hals und den gesamten Resonanzkörper übertragen. Die Saite an sich erzeugt eine konkret feststellbare Tonhöhe abhängig von Saitenstärke, -länge und –spannung. Die Klangfarbe hingegen wird zudem massiv von den mitschwingenden Elementen beeinflusst. Jedes Material hat dabei unterschiedliche Schwingungseigenschaften. Es entsteht ein Potpourri aus Tönen und Obertönen, die zusammen den Klangcharakter, also die wahrnehmbare Frequenz mit all ihren Obertönen, eines Instrumentes prägen. Beim Stimmen einer Trommel kann man dann noch eine weitere interessante Feststellung machen. Spannt man das Fell gleichmäßig rundherum immer mehr, kommt man an einen Punkt, an dem die Trommel plötzlich eine besondere Klangfülle hervorbringt, weil scheinbar die Frequenz den jeweils eigenen Schwingungseigenschaften der Bauteile sehr entgegen kommt. In der sogenannten Eigenresonanz eines Bauteils erlebt man diese besondere Klangfülle.

Hinzu kommt, dass ein Instrument nicht in jedem Raum gleich klingt. Das klangliche Erlebnis wird durch die Schallwirkungen im Raum massiv beeinflusst. Hierbei muss zwischen Direktschall, früher Reflexion und Nachhall unterschieden werden. Im Gegensatz zur Sprache, die um der Verständlichkeit Willen gerne ohne viel Nachhall auskommt, klingt es für unsere Ohren oft angenehmer und natürlicher, wenn Musikstücke durch die Klangreflexionen an Wänden oder einen künstlich erzeugten Nachhall räumlicher klingen. Außerdem kann es auch dem Zusammenspiel dienlich sein, da kleine Ungenauigkeiten etwas ausgeglichen werden. So verträgt beispielsweise ein großes Orchester einen größeren Nachhall als ein kleines Kammerorchester.

In jedem Fall möchte man zum Genießen von Musik störende Frequenzen wie ein Dröhnen durch Überlagerung von Frequenzen oder Schnarren durch das ungewollte Mitschwingen von Bauteilen und andere Störgeräusche vermeiden. Selbst wenn eine moderne Tendenz auf Ausstellungen und Instrumentenmessen hin zu Silent-Konzerten, an denen die Zuhörer ausschließlich über Kopfhörer teilnehmen können, festzustellen ist, muss uns doch klar sein, dass ein Kopfhörer zwar störende Geräusche ausblenden kann, niemals aber mit seinem kleinen Lautsprecher das volle Frequenzspektrum eines akustischen Instrumentes widergeben kann. Schon ein Saal, der durch eine große FOH-Anlage beschallt wird, hat gegenüber Kopfhörern Vorteile. Zum einen nehmen wir Musik nicht ausschließlich über die Ohren wahr, was insbesondere die Bassfrequenzen betrifft, die über etliche Rezeptoren des Körpers aufgenommen werden. Andererseits können größere Lautsprecher durch die mechanischen Vorteile besser ein großes Frequenzspektrum abdecken, ohne jedoch gänzlich identisch klingen zu können.

Sicher neigen wir an dieser Stelle dazu, nicht weiter nachzufragen, sondern unser Herz, als das Zentrum aller Gefühle von Körper, Seele und Geist, als Maßstab zu nutzen. Das ist natürlich auch richtig, denn ohne Liebe und echte Gefühle kann die beste Akustik der Welt nicht wirksam sein. Wenn Schwingungen aber Emotionen auslösen können, muss doch eigentlich die Frage erlaubt sein, ob es bestimmte schöpferische Frequenzen gibt, die auf besondere Resonanz mit der Welt, unseren Emotionen und unserem Geist stoßen. An diesem Punkt trifft man dann auf bemerkenswerte Aussagen von Wissenschaftlern und Begeisterten, die ich gerne im Folgenden kurz zusammenfassend schildern möchte:

Seit im Jahr 1939 auf der Stimmtonkonferenz der „International Federation oft the National Standardizing Association“ in London die Frequenz des Kammertons (die wohltemperierte Stimmung folgt diesem Referenzton, auf den z.B. ein Orchester gestimmt wird) a1 scheinbar wahllos auf 440Hz festgelegt wurde, gibt es Kritiker dieser Praxis. Was einer internationalen Vereinheitlichung der Stimmung von Instrumenten diente und das weltweite Miteinander im Musizieren erleichtert, scheint aufgrund der festgelegten Frequenz wissenschaftlichen Erkenntnissen zu widersprechen. Es wurde bewiesen, dass die alten Hebräer, Ägypter und Sumerer ihre Instrumente jedoch auf a1= 432 Hz stimmten. Schon Pythagoras und Platon hatten in der Antike Rechenmodelle der Harmonik eingeführt, die dem zustimmten. Auch der berühmte deutsche Physiker Johannes Keppler stimmt mit dem Grundgedanken der Harmonik überein, dass die Natur, also auch unsere Körper, in ihren natürlichen Proportionen denselben Naturgesetzen folgen wie die Musik. Das hat zur Folge, dass Menschen, Tiere und Pflanzen mit Musik in Resonanz gehen.

Vor der Festlegung auf 440 Hz wurden Instrumente in der Regel tiefer eingestimmt. So hatte sich auch in Europa die von Joseph Saveur (1653-1716) errechnete Frequenz von a1=432 Hz etabliert (in Frankreich wich man mit 435 Hz nur leicht davon ab). Auch Ernst Florens Friedrich Chladni (1756-1827) und Dr. Rudolf Steiner (1861-1925) bestätigten diese Frequenz wissenschaftlich. Saveur begründete seine These mit der festgestellten untersten Wahrnehmungsgrenze des Ohres von 16 Hz. c1 wäre somit aufbauend auf dieser Frequenz bei 256 Hz und a‘ bei genannter Frequenz von 432 Hz (eine Oktave verdoppelt die Frequenz immer). Das C als Grundton der modernen Musiktheorie und Ausgangspunkt für den Quintenzirkel wäre somit immer in ungebrochenen Frequenzen (C6= 1 Hz, C5= 2 Hz, C4=4 Hz, C3= 8 Hz, C2= 16 Hz, C1= 32 Hz, C= 64 Hz, c= 128 Hz, c1=256 Hz, (a1= 432 Hz), c2= 512 Hz, …), während bei einer Grundstimmung von a1= 440 Hz Werte wie 1,02 , 2,04 bis 523,25 herauskämen. Rudolf Steiner bewies sogar in den 20er Jahren, dass c= 128 Hz die Prim aller Tonleitern des Quintenzirkels ist, also alle Töne der Dur und Molltonleitern in einem natürlichen Intervallverhältnis zum diesem Grundton stehen, was nicht für eine Stimmung mit a1= 440 Hz zutrifft. Er leitete daraus ab, dass diese c1=128 Hz-Stimmung die Förderung körperlicher und seelischer Entspannung, sowie die Stimmungsaufhellung, die Auslösung des Gefühls des inneren Berührt Seins auslöse, dass Musik mehr gefühlt als gehört werden könne und man mit den eigenen Gefühlen stärker in Kontakt komme beziehungsweise in ein inneres Sich-Öffnen für Entwicklungs- und Heilungsprozesse eintrete. Steiner behauptete, dass eine Anhebung dieses Kammertons zu seelischen Schäden führen könne. In der Gier nach Brillanz weicht man heute aber immer weiter davon ab. So gibt es Sinfonieorchester wie z.B. in New York, die ihre Instrumente standardmäßig auf 450 Hz einstimmen.

Saveur bewies, dass sich aus dem c1 mit 256 Hz die natürlichen Schwingungszahlen der Stimmlippen und der Lippen beim Spielen von Blechblasinstrumenten ableiten lassen. Zudem konnte er auch beweisen, dass sich daraus alle Eigentöne mitschwingender Resonanzen der Hohlräume im menschlichen Körper ableiten lassen. Dies war sogar bei minimalen Lautstärken zu verzeichnen. Andere Wissenschaftler zeigten, dass das cortische Gleichgewichtsorgan im Innenohr auf c= 128 Hz schwingt, weshalb Neurologen Stimmgabeln von 128 und 256 Hz benutzen. Ich will gar nicht so weit wie manche Autoren gehen, an dieser Stelle noch die Schumann-Frequenz zu bemühen, die in etwa bei 8 Herz schwingt und die stehenden Wellen zwischen Erdhülle und Ionosphäre beschreiben. Auch will ich keinesfalls irgendwelchen Verschwörungstheorien Raum geben, doch verdient dieses Thema meiner Meinung nach Beachtung, insbesondere, wenn man mit der Musik eine Basis für die Begegnung mit Gott schaffen möchte.

Als im Jahr 1953 die Frequenz von 440Hz zur ISO-Norm erhoben wurde, gab es Proteste von Musikern. Eine Petition von 40000 Musikern scheiterte jedoch. Auch berühmte Musiker wie z.B. Luciano Pavarotti, Placido Domingo, Montserrat Caballe und Richard Strauss fordern immer noch die Regulation dieser Frequenz ein. Auch berühmte Musiker wie z.B. die Gitarristin Ana Vidovic stimmen ihr Instrument auf den Kammerton von 432Hz. So hat auch der promovierte rumänische Forscher und Dirigent Ivan K. Yanakiev das „432-Hz-Orchestra“ gegründet. Er sagte, als er zum ersten Mal seinen Cellisten bat, sein Instrument auf den Kammerton 432 Hz einzustimmen: „ Es war, als würde ich die Stimme Gottes vernehmen“ …“als würde pures Licht und pure Liebe durch den Raum schwingen“. Ein am eigenen Instrument durchgeführtes Experiment führte bei mir zu zugegeben überraschenden Ergebnissen. Selbst wenn ich Parameter wie die geringere Spannung der Saiten meiner Gitarre mit einbeziehe, würde ich die Stimmung auf den Kammerton mit 432Hz als außerordentlich harmonisch und friedvoll bezeichnen. Meine Gitarre fühlte sich an, als würde sie stärker resonieren, das war zumindest der erste Eindruck nach 3 Wochen.

Klangtherapeuten wie Georg Maier beziehen das „seelische Verstimmt Sein“ eindeutig darauf, dass wir uns Frequenzen aussetzen, die unser Gehirn erst umrechnen und zurechtrücken muss, was mit einem inneren Stress einhergehe. Er führt das darauf zurück, dass auch unser Zellwasser bestimmte Eigenresonanzen hat, in denen sie harmonisch schwingen können, unser Gehirn aber Fehler mit reiner Denkleistung korrigieren kann. Könnte es also sein, dass auf der Basis der von Gott bis ins kleinste Detail durchdachten Schöpfung auch Frequenzen in der Musik in besonderem Einklang mit der Schöpfung stehen, die besondere Harmonie und Frieden bei uns auslösen?

Auch wenn wir die zweite Ebene der Klangwirkung in den Blick nehmen, seinen scheinbar direkten Einfluss auf unsere Emotionen, finden wir passende Ausführungen. Prof. Stefan Kölsch beschreibt in seinem Buch „Good Vibrations“, dass Musik in Form von „in einer Gruppe gemeinsam den Takt halten“, die einfachste mentale Funktion ist, die uns Menschen von Tieren unterscheidet. Ich würde sagen, dass Gott Musik für den Menschen und die Wesen des Himmels erschaffen hat. Musik hat durch seine starke Wirkung auf unsere Emotionen Einfluss auf unsere Gedanken. Es ist klar erwiesen, dass Menschen, die vorwiegend positive Gedanken hegen, länger leben, also gesünder sind. Klangforscher ermutigen deshalb, Musik zu benutzen, um auf bessere Gedanken zu kommen. Auch wenn das Erleben von Musik, wie oben bereits erwähnt, eine starke subjektive Komponente hat, sind es doch zumindest in unserem westlichen Kulturkreis bestimmte Parameter, die z.B. in Filmen dazu benutzt werden, Gefühle hervorzurufen. Wie in der Musiktheorie beschrieben dienen besonders warm und voll klingende Harmonien der Dur-Tonika (Durakkord auf dem Grundton der Tonart), um besonderen Frieden und Freude zu erleben. Rhythmus und Tempo beeinflussen eindeutig mit langen friedlichen Klängen bis hektischen schnellen Tonfolgen unseren Puls, während Melodieverläufe, ähnlich der Betonung unserer Sprechmelodie von heiter bewegt bis mutlos eintönig oder absteigend deprimiert klingen können. Die Harmonie kann durch reibende, störende Töne starken Einfluss auf die empfundene Dramatik nehmen. Kölsch beschreibt zudem, wie unsere Gehirnfunktionen besonders durch Melodien zu Hochleistungen angespornt werden. So brachten polyphone klassische Musikstücke in diesem Zusammenhang besonders beachtliche Ergebnisse hervor. Beobachtet man Instrumentierung und Klangfarben von Filmmusiken, so erkennt man deutlich die Diskrepanz zwischen akustisch reinen tonalen Klängen und geräuschhaft verzerrten Klängen. Ich wage nicht, das jetzt genau zuzuordnen, und doch darf unser Focus gelegentlich auch im Worship darauf gerichtet sein, welche Emotionen mit dieser Art von Musik eigentlich gefördert werden oder besser, ob wir eigentlich spielen, was wir fühlen. Gerne finde ich neben den wunderbaren großen Strömungen der prägenden Megabands auch immer wieder Raum für zarte akustische Klänge und kleine Besetzungen, um eine Vielfalt von Ausdrucksweisen der Worshipmusik zu beflügeln.

Bleibt also der Blick auf die geistliche Ebene. Aller Akustik zum Trotz finden wir in der Bibel Stellen, in denen die Anbetungsmusik der Priester für Gott wie Lärm wirkt. Egal in welchen Frequenzen Instrumente auch klingen, praktizieren wir unsere Anbetungsmusik nicht aus Liebe und ist sie nicht auf die Herzfrequenz des Heiligen Geistes eingestellt, kommt nur Lärm dabei heraus. Deshalb kommt diesem Bereich die größte Bedeutung zu. Wir sollen in Wahrheit und im Geist anbeten. Anbetung drückt unsere Liebe zu Gott aus. Wenn wir das in einem Moment nicht fühlen können, brauchen wir Hilfsmittel, um den liebevollen und gnädigen Charakter Gottes wieder zu erkennen. Der Prophet Elisa erkannte, dass, wenn er Gottes Stimme gerade nicht hört, die Anbetungsmusiker mit den Saiteninstrumenten helfen würden. So war es dann auch. Instrumente und Musik können an dieser Stelle vielleicht auch gelegentlich wie Sprungschanzen wirken, die uns in höhere Gefilde katapultieren. Gottes Gegenwart ist schließlich immer da. Damit sie sich manifestiert, müssen wir aber unsere Seele mit Emotionen und Gedanken auf ihn einstellen. Er hat Segnungen für uns vorbereitet. Es könnte ein weiterer kleiner Schritt in die Gegenwart Gottes sein, wenn wir uns vom Heiligen Geist leiten lassen, eine Klangkultur des Himmels zu praktizieren. Wie auch immer sich das im speziellen Fall auch darstellen wird. Ich will jedenfalls alle Möglichkeiten ausprobieren, immer mehr im Einklang mit Gott zu musizieren. Inwiefern uns die gezielte Stimmung unserer Instrumente da weiterhelfen wird, bleibt auszuprobieren. Wenn es dir ähnlich geht, wäre ich über Rückmeldung sehr erfreut!

David Senz und Martin Guitars in Gießen

David Senz und Martin Guitars in Gießen

Simon Bender aus dem Worshipnetzwerk organisierte im Rahmen einer Workshopreihe des Musikhauses Schönau in Gießen einen Abend zum Thema „Akustik Gitarre“. Am Samstag, den 31.08.19, lud er dazu die Firma Martin Guitars ein, um deren Werdegang, ihre Philosophie des Instrumentenbaus und aktuelle Entwicklungen vorzustellen. Florian Jenisch, der Repräsentant des deutschen Vertriebes, reiste gemeinsam mit dem Sales Manager für Europa, Steve Harvey, und dem christlichen Fingerstyle-Gitarristen David Senz an.

In gemütlicher Runde, mitten in der Abteilung für Akustikgitarre, konnten dann einige der Schmuckstücke aus dem Hause Martin bestaunt und getestet werden (ich habe mich persönlich sehr in die OMJM, das Sinaturmodell von John Mayer, verliebt). Nach einem musikalischen Intro folgte eine intensive Talkrunde, in der besondere Momente der Entwicklungsgeschichte des Gitarrenbauers Christian Friedrich Martin Sen. aus Markneunkirchen und dessen Nachkommen beleuchtet wurden. Der gelernte Schreiner wechselte zum Instrumentenbau und war dabei sehr experimentierfreudig, wurde dafür aber von seinen Kollegen auf Distanz gehalten und wanderte in die USA aus. Dort baute er die Stahlsaitengitarre und entwickelte Modelle (0, 00, 000 Dreadnought…), die seit knapp 180 Jahren die Welt des Instrumentenbaus auf den Kopf stellten. Kein anderer Hersteller konnte seitdem die Welt der Sahlsaitengitarre stärker prägen.

Bei Snacks und Getränken konnten im Anschluss Eindrücke ausgetauscht und Fragen besprochen werden. Anschließend übernahm David Senz mit einigen Musikstücken aus seinem Fingerstyle-Repertoire (was ich persönlich leider aufgrund eines familiären Notfalls zum größten Teil verpasste). Aufgrund von besteiterten Berichten und meinen eigenen Eindrücken von seinen CDs weiß ich aber, dass er ein außerordentlich talentierter Gitarrist ist, dem es gelingt, mit Klängen Bilder zu malen und Stimmungen zu erzeugen. Im anschließenden Gespräch wurde deutlich, wie sehr David neben seiner Arbeit als Lobpreisleiter auch sein konzertantes Musizieren als Anbetung versteht. Seine Lieder „erzählen von Gottes Schönheit, Sonnenaufgängen, guten Zeiten und schaffen einen Raum zum Ausruhen“, so beschreibt er es selbst. Besonders sprechen mich bezeichnender Weise die Lieder „Beauty, Resting place, O Haupt voll Blut und Wunden und In your presence“ an. David erzählte von Konzertreisen nach Indien, bei denen er gemeinsam mit einem Pastor Gemeinden besuchte und Workshops leitete. Besonders beeindruckt war er von der lebendigen Kraft Gottes, die dort zu erleben war.

Das ist es, worum es im Wesentlichen geht! Und ich bin davon überzeugt, dass Gott im deutschsprachigen Raum ebenso wirken möchte! Lasst uns Abende wie diesen als Ermutigung auffassen, Musik zur Ehre Gottes zu spielen und Großes von unserem gnädigen Gott erwarten. Dabei dürfen wir, wie schon David, durchaus auch schön spielen und tolle Instrumente benutzen, es sollte aber niemals unser Hauptfocus werden. Ich bin sehr froh, dass der Abend aufgezeichnet wurde und hoffe, man kann in Zukunft dieses besondere Video genießen. Wir bedanken uns in aller Form bei Simon Bender und dem Musikhaus Schönau, sowie den Mitwirkenden von Martin Guitars und natürlich bei David Senz für einen wunderbaren und inspirierenden Abend.

David Senz mit seiner Martin OM
Ausschnitt Konzertgitarre

Musik wie bei David

Wie wäre es, wenn wir uns bei den Arrangements unserer Anbetungsmusik vom Heiligen Geist leiten lassen würden? Könnten wir, anstatt immer perfekter nachzuspielen, vielleicht eigene kreative Momente durch Gottes Leitung freisetzen, die besondere Begegnungen mit ihm ermöglichen?

Ich liebe Worshipmusik und habe zuhause dicke Ordner mit Noten von Anbetungsliedern stehen. Die Songs, die mir persönlich am meisten zusagen, und die ich damit auch regelmäßig hervorhole, haben meistens auch eine besondere Message, die bei mir etwas auslöst. Zunehmend ist mir aufgefallen, wie stark unsere Worshipabende doch von den großen professionellen Labels sie Hillsong oder Bethel beeinflusst sind. Und das ist natürlich auch toll. Der englische Markt ist dabei aber eigentlich unüberschaubar, wobei im Vergleich dazu die angebotenen deutschsprachigen Lieder doch von wenigen Personen ins die Systeme eingespeist werden. Der Chefredakteur von ERF-Pop, den ich durch einen Praktikusmbesuch bei einem meiner Schüler sprechen konnte, erklärte, dass viele deutsche Produktionen eben nicht die professionelle Qualität mit sich brächten, die für das Radio notwendig wäre. Vielleicht ist das eine etwas subjektive Wahrnehumung aber mir erscheint doch die derzeit auf die Bühne gebrachte Worhsipmusik häufig sehr ähnlich zu klingen. Es haben sich Balladen mit Pianobegleitung, Singer-Songwriter mit Akustikgitarre oder dann eher pompösere Bandgeflechte etabliert. Und mir gefällt das alles!

Als ich vor ein paar Wochen in einer Zeit der Anbetung Gott fragte, wie ich jetzt eigentlich in der Anbetung weiter musizieren soll (ich sehene mich immer wieder nach neuen Inspirationen), kam plötzlich eine interessante Antwort in meinem Inneren an: „Spiele so, dass es klingt, als würde David mit seiner Harfe spielen!“. Ich dachte, OK, ich bin Gitarrist – damit kann ich vielleicht etwas anfangen. Überraschenderweise sah in dieser Zeit einen Harfenisten auf einen Markt spielen und im Fernsehn einen klassischen Harfenisten mit einem Soloprogramm spielen. Beides löste bei mir echte Emotionen aus! Wäre es nicht wunderschön, wenn wir die Teilnehmer an Anbetungsveranstaltungen mit den unterschiedlichsten Arten von emotionalen Arrangements überraschen würden? Das wäre ganz im Sinne von „Psalter und Harfe wacht auf!“.

Ich habe also gestern angefangen, mit meiner Loopstation zu experimentieren. Zuerst spielte ich „Lobe den Herren“ in meiner Fassung für Sologitarre. Anschließend fügte ich etwas Klang mit einer zweiten Gitarre in DADGAD-Stimmung hinzu. Zum Schluss fügte ich kleine Melodiepassagen mit meiner Konzertgitarre ein. Keine Ahnung, ob euch das zusagt – ich folgte einfach einer Inspiration. Da ist kein hoher Anspruch für Perfektion. Hör doch gerne mal rein. Ich würde sehr gerne mit euch in einen Dialog treten. Toll wäre, wenn verschiedene Musiker ihre eignen Bearbeitungen anbieten und zur Diskussion stellen würden. Lass dich inspirieren! Gerne laden wir es hier auf der Seite hoch, um gegenseitig voneinander zu profitieren.

Lobe den Herren mit Gitarren

Die richtige Akustikgitarre

Die richtige Akustikgitarre

Am vergangenen Wochenende hatte ich endlich wieder einmal die Gelegenheit unseren Freund Ren Ferguson zu treffen. Auch wenn er wenig Aufsehen um seine Person macht, ist er doch einer der legendärsten Girarrenbauer für Akustikgitarre, die auf diesem Planeten herumlaufen. Hat er doch Jahrzehnte lang den Customshop von Gibson Guitars geleitet und sämtlichen herausragenden Modellen seinen akustischen Stempel verpasst. Er könnte eine endlose Liste der“ Who is who“ der Gitarrenszene schreiben, für die er eine Gitarre maßschneiderte, und Experten reiben sich die Hände, wenn sie eines dieser Schmuckstücke in die Finger bekommen.

Ren ist aber nicht nur ein herausragender Künstler seines Handwerks, er greift mit seinen nun 73 Jahren immer noch gerne selbst in die Saiten und ist ebenfalls ein erfahrener Worshipleiter. Als wir uns durch eine göttliche Fügung kennenlernten, die Familie der besten Freundin unserer Tochter ist rein zufällig seine direkte Verwandtschaft, merkten wir gleich, wie sehr sich unsere Interessen überschneiden. Wir tauschen uns gerne aus, stehen gegenseitig im Gebet füreinander ein und diskutieren natürlich über Akustikgitarren.

Das gab mir die Gelegenheit, auch im Interesse der Akustikgitarre spielenden Gruppe von Worshipmusikern einige Fragen zu stellen. Grundsätzlich empfiehlt Ren Ferguson jedem Gitarristen, sich eine Gitarre zu kaufen, die man in jeder Hinsicht schön findet. Natürlich liegt da sein erster Fokus auf klanglichen Eigenschaften und der guten Bespielbarkeit. Dabei würde Ren unbedingt davon absehen, sich in erster Linie auf Markennamen zu konzentrieren. Zu oft ist er mit der Kompromissbereitschaft großer Konzerne zugunsten des eigenen Gewinns konfrontiert worden. „Du kannst es hören, wenn ein Instrument dich inspiriert, und du fühlst, wenn du auf einem Instrument zuhause bist“, beschreibt er schön. „Wenn die Zeit dann gekommen ist, tauschst du das Instrument eben durch ein anderes aus, das dich mehr inspiriert. Aber auch ein schönes Design kann die Lust zum Üben entscheidend beflügeln“, beschreibt er, während ich ein Funkeln in seinen Augen sehen kann.

Seit zwei Jahren planen wir, dass Ren mir mein Trauminstrument baut, und es sieht so aus, als würde es sehr bald fertig werden. Einerseits ehrt mich das sehr, andererseits konnte ich auch beobachten, worauf ein Meister des Gitarrenbaus alles achtet, wenn er ein Instrument plant. Zunächst hat er mir beim Spielen zugeschaut und wir haben dann auch meine derzeitige Gitarre, eine Launhardt El Paso aus Cocobolo mit Sitkafichtendecke, sowie meine alte Lakewood D14 mit Zederndecke, hin- und hergereicht, gespielt und gesungen. Dabei hat er mir zudem unschlagbare Tips zur Besaitung und Einstellung gegeben, die meine Instrumente extrem aufgewertet haben. Zuerst haben wir dann die passende Bauform herausgefunden, bei mir eine 000 mit Halsansatz am 12. Bund. Das ist eine mittelgroße Korpusform, die durch den Halsansatz am 12. Bund den Steg direkt am „Sweetspot“ der Decke sitzen hat und dadurch sehr transparent und voll und klingt, ohne wummernde Bässe zu produzieren. Für mich passte das, weil ich leidenschaftlich gerne Fingerstylegitarre aber im Worship natürlich auch Strumming spiele. Dann kamen wir zu den Hölzern, die nicht nur von der Baumart, sondern auch wegen der Schwingungseigenschaften durch die Maserung und den individuellen Klangeigenschaften Welten auseinander liegen können. Bei mir wird es definitiv eine umwerfende Scheibe Wallnussholz und vermutlich eine Adirondack Fichtendecke aus meinem Geburtsjahr werden. Ich vertraue da natürlich auf die Hände des Meisters, durfte aber sogar bestimmte Holzscheiben auswählen. Wir diskutierten alles von der Halsbreite bis hin zu den Mechaniken und dem Material der Stegpins. Außerdem durfte ich Wünsche für die Verzierung äußern – und dabei reden wir von echter Kunst. Am Ende will Ren mir aber doch drei Instrumente bauen, von denen ich mir eines zum Kauf aussuchen darf.

Du siehst vielleicht schon an diesen kurzen Auszügen, wie komplex es sein kann, die richtige Gitarre zu planen oder finden. Es lohnt sich, nicht die erstbeste Gitarre zu nehmen, eingehende Beratung einzuholen und sich mit anderen Musikern auszutauschen. Nur weil ein Intrument für eine Person, die ich bewundere passt, muss ich sie aber nicht auch mögen. Deshalb hier noch ein paar konkrete Tips zur Auswahl:

Probiere verschiedene Bauformen in ähnlicher Qualität aus: Dreadnought, Grand Concert, Auditorium, Jumbo, 0, 00, 000 usw.

Lege dein Budget fest – beachte: Qualität hat ihren Preis und lieber eine gute Gitarre als drei unbefriedigende Modelle.

Wähle ein Instrument aus massiven Tonhölzern (besonders die Decke), weil Sperrholz einfach nicht schwingen will.

Kaufe niemals, ohne das Instrument vorher selbst zu spielen – baugleiche Gitarren können durchaus verschieden klingen, und nicht jeder Hals fühlt sich gleich gut an.

Schaue dir Instrumente von heimischen Herstellern im Vergleich zu den großen Marken oder auch preiswerteren Alternativen an. (Andreas Cuntz, Joe Striebel, Markus Quenzel, Lakewood Guitars oder Christian Stoll sind Beispiele für gute deutsche Hersteller)

Wenn du mit einer Band spielst, spare nicht am Tonabnehmer. (L.R. Baggs, Schatten Design, K&K oder Fishman wären Beistpiele für gute Hersteller)

Lass dir von einem geübten Spieler vorspielen.

Natürlich haben wir das Thema jetzt nur angerissen. Gerne bin ich für Rückfragen oder Anregungen offen. David ließ einst spezielle Instrumente für die Priester herstellen. Wir wissen, dass er bis tief in die unsichtbare Welt hinein spielen konnte. Unterschätze nicht den Klang eines Instruments in der Anbetung. Ich wünsche dir Glücksgefühle und neue geistlich-akustische Inspirationen mit deiner Akustikgitarre!

Hier findest du ein kurzes Video zur Veranschaulichung unterschiedlicher Bauformen anhand von 3 Modellen der Firma Martin Guitars: